Predigten

Wie oft haben Sie schon beim Hören einer Predigt gedacht: "Das war ein guter Gedanke. Schade, dass ich nichts zum Schreiben dabei habe." Dem Wunsch, das gesprochene Wort zu Hause noch einmal in Ruhe nachlesen zu können, entsprechen wir auf dieser Homepage. Ausgewählte Predigten, die im Kirchenkreis Rotenburg gehalten wurden, werden auf diesen Seiten veröffentlicht.

Schauen Sie hinein, lassen Sie sich inspirieren und scheuen Sie sich nicht, zum Verfasser der Predigt Kontakt aufzunehmen, falls Sie noch Fragen oder Anregungen haben.

Natürlich sind Sie immer und jederzeit herzlich eingeladen, einen der vielen Gottesdesdienste in unserem Kirchenkreis persönlich zu besuchen. Ob Familiengottesdienste, musikalische Gottesdienste, Gottesdienste in anderer Form - die Möglichkeiten sind vielfältig, die Auswahl ist groß. Um Ihnen bei der Auswahl zu helfen, haben wir unter dem Menüpunkt "Veranstaltungen" einen Suchfilter eingebaut.

Datum
Titel
Name
So. 29.07.18
Und des HERRN Wort geschah zu mir ...
Klaus Priesmeier
Und des HERRN Wort geschah zu mir ...

Jeremia 1, 4-10

(4) Und des HERRN Wort geschah zu mir:

(5) Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

(6) Ich aber sprach: Ach Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

(7) Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.

(8) Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

(9) Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.

(10) Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

 

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Gemeinde, mit uns fängt´s nicht an und mit uns hört´s nicht auf. Wann immer wir in unserem Ich-Bewusstsein erwachen zu uns selbst, da sind wir doch schon lange da und haben eine Geschichte, die auf dieses Erwachen schon längst zulief. Da sind viele Erlebnisse, da sind mancherlei Erfahrungen, da sind Dinge und Geschichten, die machen das überhaupt erst möglich, dass wir je ein Ich werden und dann sagen: Ich.

Und das ist eine Entwicklung, die hört ein Leben lang nicht auf, und die hat Bleibendes aber eben auch sich Wandelndes. Wie oft sagen mir Jubilare, die 80 oder älter werden: das kann ich gar nicht glauben, dass ich das bin, so alt sind doch sonst immer nur die anderen.

Wir haben ein Bild von uns, von unserem Ich, wer ich bin, was uns zumutbar ist, was wir können oder nicht können. Angeblich. Ein Bild, das uns sagbar wird mit unserem Ichbewusstsein – und das wir loslassen, wenn es mit uns zu Ende geht.

Auch Jeremia, der ein Prophet Gottes werden soll, hat so ein Bild von sich. Wer er ist, wozu er ist, was ihm zumutbar sei und was eben nicht. Jeremia sagt: „Ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“ Wie kam Jeremia zu diesem Bild von sich? Er war ein Sohn Hilkijas, vielleicht der Jüngste, der gegenüber den gr0ßen Brüdern immer zurückstehen musste – so jedenfalls erzählt es Franz Werfel in seinem Jeremia-Roman. Vielleicht hat er da ja gelernt: erst kommen andere – dann ich. Hilkija war Priester in Anatot. Einer, der den Kult vollzog. Der die Rituale beging. Einer, der mit praktizierter Religion für den Kontakt der Menschen mit Gott stand. Und da wusste er um die Versuchung, sich Gottes sicher zu wähnen, wenn man das richtig macht mit den Gebeten und den Opfern. Dann muss Gott doch mit einem zufrieden sein. Damit ist man doch auf der sicheren Seite. Auf Gottes Seite. Sollte nicht auch Jeremia einmal diese Wege weiter gehen?

Das war ihm doch, wie wir sagen, in die Wiege gelegt. Und als auch er, Jeremia,  anfing, ich zu sagen – hat er es vielleicht in dieser Weise getan: ich stehe zurück, erst kommen die Großen und Älteren und Stärkeren und Eindrücklicheren, und gottesgewiss wirst du so, nach den Vorschriften für den Kult, für Opfer und Gebet, zu handeln? Und so hat ja auch jeder von uns das, was ihm oder ihr in die Wiege gelegt war, womit wir gr0ß geworden sind und was wir für mehr oder weniger selbstverständlich halten. Und das sind dann die Vorzeichen auch für all das, was wir meinen, wenn wir sagen: Ich. Und wer ich sagt, redet ja nicht nur selber, sonder viele Stimmen reden mit, die ein Mensch hörte und hört. Und schon darin ist es wahr: mit uns selbst fängt es nicht an. Und so hört es auch nicht mit uns auf.

In diese Erkenntnis wird nun auch Jeremia geführt. Das geschieht nun freilich nicht durch die anderen menschlichen Stimmen. Es ist eine andere Stimme, die Jeremia hört. Und des HERRN Wort geschah zu mir: …  Der HERR sprach aber zu mir: …    spricht der HERR …   Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir… Vier mal hören wir in unserem kurzen Predigtabschnitt von dem Reden dieses Anderen. Und der ist kein anderer Mensch, der ist auch nicht Jeremia selber – ein ganz anderer spricht hier zu ihm. Und Jeremia wehrt sich.

Denn das Sprechen dieses ganz Anderen – es stimmt nicht überein mit dem, was Jeremia kennen lernte und es passt nicht zu seiner Weise, Ich zu sagen. Es passt nicht zu dem, womit es auch bei Jeremia so ganz menschlich begann und wovon er meint, damit fängt „es“ an. Und damit hört „es“ auf. Jeremia meint ja, das müsse so sein, erst kommen andere zu Wort. Jeremia meint ja, er sieht zu denen allen noch auf und die können das besser und haben mehr Kenntnis und Erfahrung und auch die Rolle unter den anderen, da steht er doch zurück. Und Ritual, Gebet und Opfer werden es richten, werden Gott und seine Menschen zusammen halten. Was soll denn er dazu tönen und reden? Und er widerspricht der Stimme des ganz Anderen, die er hört, er erhört sie nicht, er weicht aus: Herr HERR, ich tauge nicht, ich bin zu jung. Ich doch nicht.

Andere sollen das machen. Ich doch nicht. Wie menschlich, und ich gebe zu, ich kenne das auch. Lass doch die anderen, die Besseren, die Berufeneren, die Erfahreneren, die Kundigeren. Die lass mal – aber: ich doch nicht. Haben Sie das auch schon mal gedacht, gesagt, gemeint? Da sind wir also in guter Gesellschaft. Aber einer Gesellschaft, der widersprochen wird. Und wenn wir dem Bibelwort vertrauen, dann ist es kein geringerer als Gott, der hier an dieser Stelle widerspricht und der sagt: Sage nicht, ich bin zu jung… oder zu was auch immer.

„Eh wir entscheiden Ja und Nein gilt schon für uns, gerettet sein“ singen wir in einem Tauflied. Gottes Wort und Ruf gelten uns, sie gelten seinen Menschen. Und zwar schon, bevor sie selber es vernehmen. Sie gelten hier in unserem Bibelwort dem Jeremia. Der hört: mit dir fängt´s nicht an. Auch mit deinem Ichsagen nicht. Und mit deinem Widersprechen hört es auch nicht auf. Denn höre, ich spreche zu dir, wer du in Wahrheit bist: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Soll ein junger Kerl da nicht erschrecken, junger Mann vom Lande, aus priesterlichem Geschlecht, bedacht, den Inszenierungen des Kultes zu entsprechen, aber doch nicht noch ein neues Wort dazu zu sprechen – ja, wer bin ich denn? Und Jeremia spürt, es wird ihm hier etwas zugemutet, Wort Gottes zu sagen, was er nicht kann. Die Regeln des Kultes sind festgelegt und sicher. Aber was soll er denn sagen, predigen, ausrufen? Wie soll er denn reden von Gott, den er so wenig kennt, und nach der Erschütterung durch Gottes Anrede merkt er vielleicht noch mehr, wie wenig er ihn kennt. Und Gottes Zuwenden und Gottes Licht offenbaren ihm zugleich seine Ferne von Gott und seine eigene Finsternis. Lass doch, Gott, dafür tauge ich nicht. Wie soll ich tun, was ich nicht kann?

Jeremia meint, es liege an seinem jungen Lebensalter. Aber das ist ein Irrtum. Denn dieses Nichtkönnen ist immer da, auch wenn ein Alter von Gott reden soll: weiß der denn wirklich mehr? Ist der Gott näher, dem Himmlischen näher, weil er ein paar Jahre länger schon über die Erde ging? Und das stimmt ja schon im ganz Menschlichen: haben wir das nicht alle gedacht, wenn ich erstmal dies und das hinter mir habe und es geschafft ist und ich dies und das kann, und dann merkt man doch, ich bin ja immer noch derselbe Mensch, und meine Grenzen und Fehler, und mein Nichtkönnen ist keinesfalls überwunden, wenn vielleicht auch hier und da verbessert. Und wenn man dann noch etwas älter wird, dann merkt man, wie es auch mit diesen Besserungen nicht bleibt und wie ich wieder angewiesener werde. Nein, das Lebensalter ist es nicht. Und das nicht sagen Können des Wortes Gottes, das hat einen ganz anderen Grund. Denn wie soll ich sagen, was nicht in mir ist, Gotteswort, wo ich doch nur Menschenwort habe?

Gott verhandelt mit Jeremia nicht darüber. Er wird aktiv. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Dass Gott seine Worte in unsren Mund zu legen vermag, das glauben Theologen und andere doch heute nicht mal mehr von der Bibel. Da heißt es: das war dieser oder jener Redakteur, eine Meinung in der Gemeinde, eine Annahme oder grad mal so ´ne Idee – aber: Wort Gottes? Oder hier: das wurde später so erzählt, zur Legitimation für den Propheten. Doch Wort Gottes? Das scheint vielen einfach unvorstellbar, und alles löst sich in Bedingtes und Relatives auf. Aber ist Gott nicht der Unbedingte, und sein Wort kräftig und wirkmächtig und schafft, was es sagt?

Aber die in der Welt und leider auch die in Theologie und Kirche angeblich Weisen und Klugen widersprechen und sagen: Das kann ja nicht sein, weil, zum Propheten wird man berufen, nicht geboren, wie es in unserem Predigtwort heißt. Also könne das gar nicht sein. Nur: warum sollte für einen Propheten nicht gelten, was doch von uns allen gilt, wie der Psalmist im Psalm 139 sagt: „Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war.“ Unsere menschliche Weisheit und Gottes Weisheit sind wohl doch nicht immer dasselbe. Freilich umkreist solches Denken und Fragen eine wirkliche Herausforderung: nämlich die Aufgabe, zu unterscheiden, was denn nun Wort Gottes ist und was nur von uns Menschen erdacht. Und wovor hier der Jeremia zurückschreckt, wovor doch eigentlich alle zurück schrecken, die Gottes Wort bezeugen sollen, das ist doch dies: zu wissen, dass ich eben nicht Gott bin und nicht so einfach ein Wort sagen kann, das ich eben nicht in mir habe, auch nicht immer die richtigen Kriterien greifbar sind, richtig zu unterscheiden, und dass das Kommen des Wortes immer neu geschehen muss. Und es macht den, der es sagen soll, zu einem Harrer auf Gott, wie Luther nach dem Psalm 130,5 sagt; zu einem, der nicht in sich hat, was er soll, und der es immer neu empfängt. Der erfährt: „wir sind Bettler, das ist wahr“. Und so ist es auch dem Jeremia ergangen. Sein ganzes Leben wird gezeichnet vom Auftrag Gottes – und zugleich von der Unverfügbarkeit, die er selber über diesen Auftrag und über das Wort hat, das er sagen soll. Nicht sicher ist er, sondern gänzlich ungesichert – wo ist nun dein Gott, wird auch er gefragt. Und überführt doch die, die meinen, Gottes sicher zu sein und sein Wort im Griff zu haben, der falschen Prophetie. Aber all das nicht von sicherer und gut situierte Warte aus, sondern stets auf Gott harrend – wie Luther sagt: nicht im Sein, sondern im Werden, nicht im Besitzen, sondern im Empfangen, nicht mit einer theologischen Theorie im Kopf, sondern im stets neuen Hören und verwandelt werden. Es ist ein Setzen nicht auf sich selbst, sondern auf das, was Gott tut und gibt. Und damit auch ein Absehen von sich selbst. Und das fiel damals schon schwer und scheint uns Heutigen wohl fast unmöglich zu sein. Von uns selbst los zu werden und fest an der rechten Hand Gottes zu hangen, wie Luther sagt, die uns hält und führt. Die hat auch den Jeremia geführt. Und dass wir mit so einem Leben auf Unverständnis stoßen und das Wort, das wir dann sagen, Gegnerschaft erfährt – das ist auch nicht neu. Doch hört schon Jeremia Gott sagen: Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

Liebe Gemeinde, die Propheten markieren das Gegenüber Gottes zur Welt und auch zu den Seinen, zu Israel wie auch zur Kirche, das Fremdsein Gottes, das allein uns verwandeln kann in das, was wir noch nicht sind. Hören wir ihre Botschaft – hören wir durch sie Gottes Wort auch an uns?

Die Dichterin Nelly Sachs fragt:

„Wenn die Propheten einbrächen durch Türen der Nacht / mit ihren Worten Wunden reißend / in die Felder der Gewohnheit, / ein weit Entlegenes hereinholend …
Wenn die Propheten einbrächen / durch Türen der Nacht / und ein Ohr wie eine Heimat suchten –

Wenn die Propheten aufständen /  in der Nacht der Menschheit / wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen, / Nacht der Menschheit / würdest du ein Herz zu vergeben haben?“

Jeremia, die Bibel überhaupt, präsentiert uns keine einfache Lösung. Bei beiden ist es ein Weg, der beginnt – das Wort im Herzen zu vernehmen, und den Weg des Wortes mitzugehen. Ein Weg, der mich nicht in mir selbst verschließt und in meinen eigenen Gedanken, sondern ein Weg, der uns öffnet zu Gott und den Menschen hin. Ein Weg, der mich durchaus nicht in gesicherter Identität verharren lässt, sondern harren auf Gott und das Wahrwerden seines Wortes. „Und wenn mir gleich mein Herz zerbricht, so bist doch du mein Zuversicht, mein Teil und meines Herzens Trost… wollst mir dein Gnade geben“ (EG 397). Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.

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Klaus Priesmeier

Klaus
Priesmeier
Mi. 31.01.18
Flagge zeigen
Peter Thom
Flagge zeigen

Flagge zeigen: Bei Fußballweltmeisterschaften ist das eine klare Sache: König Fußball regiert die Herzen vieler Menschen. Und wer ein rechter Fußballfan ist, der schmückt sich in den Farben schwarz-rot-gold, der hat Fähnchen am Auto, rechts und links, der schwenkt Fähnchen im Stadion oder vor dem Fernseher, der steht zur Nationalhymne aufrecht und singt lauthals mit.

Was ist ein Fan?

Ein Fan ist jemand, der hinter seiner Mannschaft steht. Der sagt: Diese Mannschaft ist meine Mannschaft. Und meine Mannschaft soll siegen! Darum stärken Fans ihrer Mannschaft den Rücken mit auswendig vorgetragenen Gesängen und La Ola-Wellen. Ein Fan ist Feuer und Flamme für seinen Verein.  Sie kennen natürlich jeden einzelnen Spieler mit Namen und haben deren Stärken und Schwächen im Kopf. Sie fiebern begeistert mit, sie zittern, stöhnen, leiden mit bei jedem Gegentreffer, sie bejubeln jede tolle Aktion ihrer Mannschaft, und hüpfen vor Freude, wenn sie ein Tor erzielt hat. In jedem Fall ist ein Fan jemand der sagt: Egal ob meine Mannschaft gewinnt oder verliert: - ich gehöre dazu. Ich zeige Flagge.

Flagge zeigen – das ist auch heute unser Thema hier im Gottesdienst. Kandidaten und Kandidatinnen haben sich zur Wahl aufstellen lassen und habt damit Flagge gezeigt. Sie sagen damit  Ja, wir gehören zu diesem Verein Kirche dazu. Wir stehen dahinter. Wir machen da mit. Wir leiden mit, wenn etwas schief läuft, wir freuen uns, wenn etwas gelingt und glückt. Sie werden mancherlei Fragen beantworten müssen: Wie geht es weiter mit der Kirche? Was ist wichtig und was nicht? Welche Zukunft blührt der Kirtchengemeinde?

Flagge zeigen Kandidaten haben sich aufstellen lassen für den Kirchenvorstand, für den Kapellenvorstand. Und dazu gehört schon etwas Mut. Sie habenFlagge gezeigt und das ist schon etwas anderes, als wenn im Stadion Zigtausende in gleichen Takt ihre Fähnchen schwenken. Das ist auch noch etwas anderes als wenn wir hier im Gottesdienst im Chor unser Glaubensbekenntnis sprechen. Kandidieren, sich wählen lassen, das ist ja ein öffentliches Bekenntnis: Kirche ist uns wichtig. Ja, gerade hier vor Ort, hier in Visselhövede und  Wittorf. Dass das Gemeindeleben wächst und sich weiterentwickelt, dafür wollen sie einstehen. Sie zeigen damit: Wir gehören dazu. Wir stehen dahinter. So wie die Fans hinter ihrem Fußballverein.

Über die Fankultur im Fußball – wollen wir heute lieber nicht reden. Aber wie ist das eigentlich mit der Fankultur in der Kirche?

Nun, dann kommen wir nicht umhin, von dem ersten Fan überhaupt zu reden. Und das war Petrus. Genauer gesagt: Simon, Jonas Sohn, Fischer von See Genezaret. Er gehörte zu den ersten, die Jesus in seine Nachfolge gerufen hatte. Folgt mir nach, ich will euch zu Menschenfischern machen, hatte Jesus gerufen. Und Simon war aufgestanden, hatte seine Netze liegengelassen, hatte seiner Familie zurückgelassen und war mit Jesus mitgegangen. Simon gehörte zu den Schülern Jesu. Und er war Feuer und Flamme für seinen Meister. Er war von dem, was Jesus lehrte, total beeindruckt und überzeugt. Und als Jesus ihn fragte: Was sagst denn du, wer ich bin? Da antwortete er mit einem großartigem Bekenntnis: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!  Und darauf antwortet ihm Jesus: Du bist Petrus (und Petros ist das griechische Wort für Felsen), und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“ Petrus war also der erste Fan von Jesus. Petrus, der sich später, als es brenzlig wurde, schnell wegduckte und sagte: Jesus? Kenne ich gar nicht! Petrus, ein Feigling, aber auch ein Bekenner. Eigentlich ein ganz normaler Mensch, einer wie du und ich. Großmaul und Hasenherz, aber irgendwie richtig sympathisch. Petrus, der dann zu Pfingsten derjenige wurde, der die erste Osterpredigt hielt und sich ganz öffentlich zu dem Auferstandenen bekannt hat. Diesen Simon nennt Jesus Petrus, Felsen. Auf diesem Felsen will ich meine Gemeinde bauen.

Anders gesagt: Wo Menschen sich zu Jesus bekennen, da entsteht Gemeinde. Das Bekenntnis ist das Fundament.

Weil sich Menschen zu Jesus Christus bekannt haben, wurden sie die Christiani, also die Christen genannt. Und weil sie immer von Jesus als ihrem Kyrios, also ihrem Herrn sprachen, nannte man diese Gemeinschaft die Kyrios-Gemeinschaft, die Kyriakä, und Kyriakä eingedeutscht, das ist dann die Kirche. Kirche ist ganz einfach die Gemeinde derer, die sich zu ihrem Herrn, zu Jesus Christus bekennen.

Soweit zur Fankultur in der Kirche. Ich sage das, um deutlich zu machen, das Kirche nicht dort ist, wo eine Kirche oder eine Kapelle steht oder wo Menschen gewisse kirchliche Strukturen geschaffen haben, oder wo mit Kirchensteuern Gebäude erhalten oder Mitarbeiter bezahlt werden können. Kirche ist dort, wo Menschen Flagge zeigen und Glauben bekennen.

Die bekennende Kirche – ach ja, ich weiß, sie werden jetzt sagen: also, das klingt jetzt wieder mal ganz schön fromm. Es steckt aber ein faszinierender, verheißungsvoller Gedanke darin: Wo Menschen sich zu Jesus bekennen, da entsteht Gemeinde. Da wird Gemeinde neu. Wo Glauben bekannt wird, da kann Kirchem immer wieder neu wachsen und werden. So wie damals als Simon Petrus zum Bekenner wurde: Sein Bekenntnis war das feste Fundament für eine Kirche, die damals ganz neu entstanden ist  Und genauso kann Kirche immer wieder neu werden, auch hier bei uns.

Damit ist das Bild vom Felsen auch schon wieder am Ende. Ein Felsen, so denkt jeder, ist doch etwas sehr statisches: Wo ein Felsen liegt, da liegt er und verändert sich nicht. Wo aber Menschen mit ihrem Bekenntnis zum Fundament werden, da bekommt dieses Bild etwas unglaublich dynamisches. Ich will es mit Martin Luther sagen: Kirche muss immer reformiert werden. Kirche hat nicht das Recht zu bleiben, wie sie ist, sondern sie muss werden, was sie ist, nämlich die Kirche Jesu Christi.

Es geht also darum, Flagge zu zeigen und Glauben zu bekennen: Kirche ist für mich nicht eine Sache von früher, keine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten. Sondern Kirche lebt, und sie hat heute in dieser Zeit, in dieser Welt eine wichtige Aufgabe, Glauben zu vermitteln, Halt und Trost zu geben, und wo Not ist, zu helfen und zu handeln. Ja, du brauchst etwas Mut, von deinem Glauben zu erzählen und zu deiner Überzeugung zu stehen. Aber in diesem Evangelium, in dieser Guten Nachricht Gottes steckt so viel positive Kraft, steckt die Chance zur Veränderung und zum Neuanfang. Freilich dazu braucht jeder, der sich in der Kirche engagiert, Hilfe und Unterstützung.

Darum, liebe Gemeinde in Visselhövede und Wittorf: Am 11. März 2018 wird also eine neue Mannschaft gewählt.  Das sind eure Leute. Ihr kennt sie ja alle. Ihr kennt ihre Stärken und Schwächen. Diese Leute brauchen eure Unterstützung. Ihr, die ihr alle zur Kirche dazugehört und euch immer wieder zum Glauben bekennt, Ihr, sagen wir ruhig, die Fans von Jesus Christus, müsst den Leuten den Rücken stärken, in dem ihr zur Wahl geht und Eure Stimme abgebt.

Liebe Gemeinde! Unsere Kandidaten und Kandidatinnen brauchen auch das von uns: Dass wir für sie beten. Nicht nur heute, sondern immer wieder. Und sie sollen wissen: Wir denken an euch und begleiten eure Arbeit – im Gebet. Wir wünschen ihnen alles Gute und bitten Gott um seinen Segen. Amen.

 

 

 

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