Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Fr. 06.02.15
"Jetzt weiß er nicht mehr weiter...…
Peter Thom
"Jetzt weiß er nicht mehr weiter..."

„Jetzt weiß er nicht mehr weiter...“

Es war in einem Gottesdienst. Der Pastor hatte die Gemeinde zum Gebet aufgefordert: „Laßt uns in der Stille vor Gott bringen, was uns heute bewegt.“ Tatsächlich wurde es ganz leise in der Kirche. Alles schwieg. Nur eine Frau kam nicht zur Ruhe. „Jetzt weiß er nicht mehr weiter,“ flüsterte sie immer wieder. „Jetzt hat er seinen Text vergessen!“ Es war ihr anzumerken, daß sie über den vermeintlichen Blackout des Pastors sehr erschrocken war. Aufatmen konnte sie erst wieder, als der Pastor das Gebet fortsetzte. Man spürte, wie erleichtert sie war, daß wieder jemand redete.

Wahrscheinlich geht es vielen Menschen so, daß sie Stille nicht gut aushalten können; Schweigen kann unerträglich sein. Dann ist es doch besser, „vom Wetter zu reden“. Oder einfach eine der vielen Maschinen anzustellen, die irgendwelchen Krach produzieren.

Wenn es still wird, fehlt uns etwas. Zur Ruhe kommen ist ungewohnt. Sind wir doch  immer aktiv, immer in Bewegung, immer von Geräuschen umgeben. Es gibt stets etwas zu tun, bei der Arbeit oder in der Freizeit. Mancher müßte sich geradezu zwingen, stille zu sitzen.

Zur Ruhe kommen zu können, tut gut. Denn wo ich ruhig werde, kann ich auch zu mir selber kommen. In der Stille steigen Gedanken auf, die ich schon lange nicht mehr gedacht habe. Erinnerungen melden sich zu Wort und sie sind wichtig. Gefühltes, Erlebtes ist wieder da und kriegt sein Recht. In der Stille kann ich das alles zulassen, was im Alltag von viel Lärm und Betriebsamkeit zugeschüttet wird.

Keine Frage: Wer zu sich selber kommt, bekommt es auch mit Gott zu tun. In der Stille höre ich Gottes Antwort auf manche schon lange gestellte Frage.

Sicher kostet es Mühe, sich beharrlich ein Stück Stille zu reservieren, zu Hause oder in einer zur Besinnung einladenden Kirche.

Ein weiser Mann hat gesagt: „Sprache ist das Organ dieser Welt. Schweigen das Geheimnis der Künftigen.“ Schön! Darüber müßte man einmal in aller Ruhe nachdenken.

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Peter Thom

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Mo. 23.06.14
Der Geist des Fußballs
Peter Thom
Der Geist des Fußballs

Wenn die schönste Nebensache der Welt zur Hauptsache wird, dann ist Fußball-WM. Die Stimmung ist großartig: Jubelnde Menschen überall in der Welt! So viel gute Laune und ausgelassene Stimmung! So viele wunderbare Tore und spackende Begegnungen auf dem grünen Rasen!Ein Volltreffer für die Völkerverständigung. Was die Menschen jubelnd eint, ist unschwer zu erkennen: Fußballfieber. Der Geist des Fußballs lässt die Menschen wieder friedlich und fröhlich in den Stadien und auf den Straßen feiern. Man muss nicht Fußbalfan sein, um sich mit den Fröhlichen zu freuen.

Im Hintergrund geht das politische Tagesgeschehen weiter. Und die Welt nimmt ihren Lauf; Krieg und Terror werden vom euphorischen Jubel der Fußballbegeisterten vorläufig zur Seite geschoben. Aber wie lange?

Der Geist des Fußballs kann die Fans eine Weile wohl vereinen. Aber was kommt nach der WM? In welchem Geist können die Menschen aller Völker, Kulturen und Religionen fair, friedlich und fröhlich zusammenbleiben? Und zwar nicht wegen der „schönsten Nebensache der Welt“, sondern in der Hauptsache, im Zusammenleben der Menschen?

Die Erfahrung der Glaubenden ist: Die Liebe ist das Größte überhaupt. Ihre Fans zeigen als Glaubende Flagge und schmücken sich mit den Farben der Hoffnung. Im Geiste Gottes hat fair-geben und fair-handeln eine Chance auch über die WM hinaus. Der Geist der Liebe verbindet Menschen, die so verschieden sind.

Aber sind es nicht die Religionen, die trennen? Nein! Im Namen dessen, der am Kreuz starb und auferstand, nicht der Glaube trennt, sondern diejenigen, die Interesse daran haben, ihn als Trennendes zu benutzen. Gott aber ist einer! Er verbindet alles miteinander. Und er ist Liebe.

 

 

 

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Peter Thom

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Di. 22.04.14
Dem guten Hirten folgen
Peter Thom
Dem guten Hirten folgen

Mit 14 Jahren erwachsen? Was die Religion betrifft, so ist das in unserer Gesellschaft rechtens. Mit 14 ist man religionsmündig. Bei der Konfirmation übernehmen die jungen Menschen für ihren Glauben selbst die Verantwortung.

Aber wie sollen sich die Konfirmanden entscheiden? Das Angebot auf dem Markt für Sinnstiftung und -deutung wächst enorm. Antworten, die Halt und Orientierung versprechen, kann man überall bekommen. Worauf kann man sich einlassen? Auf wen sollen die Konfirmanden hören?

Ein Reisender – so wird erzählt -  traf in Palästina an einer Wasserstelle auf drei Hirten, die ihre Tiere nicht nach Herden getrennt, sondern gemeinsam tränkten. Wie sollte da jeder Hirte seine eigenen Schafe wiederfinden?

Als sich die Tiere sattgetrunken hatten, nahm der eine Hirte seinen Stab und rief: „Men–ah!“ (folgt mir!). Sogleich schloss sich ihm seine Herde an. Dann rief der zweite Hirte, und das Gleiche geschah. Der Fremde fragte nun den letzten Hirten: „Würden deine Schafe auch mir folgen?“ Der Mann schüttelte den Kopf: „Versuch es!“ Da zog der Reisende den Mantel des Hirten an, band sich den Turban um, griff den Hirtenstab und rief: „Men–ah!“ Aber kein Tier folgte. „Nur wenn ein Tier krank ist“, lächelte der Hirte, „folgt es dem Nächstbesten.“

Darum geht es bei der Konfirmation: Nicht auf den Nächstbesten zu hören, vielleicht auf den mit den angenehmsten Versprechungen. Nicht dem nächstbesten, sondern dem guten Hirten folgen – das wär’s. Ich wünsche allen Konfirmanden, dass sie die Stimme Jesu kennengelernt haben. Er sagt:  „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir.“

Peter Thom, Visselhövede

 

 

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Di. 01.04.14
Aushalten können
Peter Thom
Aushalten können

Aushalten können

Jetzt in den Tagen vor Karfreitag betrachte ich aufmerksam das Bild des Gekreuzigten auf dem Wittorfer Altar. Besonders eindrücklich sind die Frauen unter dem Kreuz dargestellt: Sie sind immer noch bei Jesus. Seine Jünger sind längst davon gelaufen, haben sich in Sicherheit gebracht. Sie, die Frauen sind geblieben. Sie erleben das grauenhafte Leiden, halten mit ihm aus. Er stirbt am Kreuz und sie bleiben ihm nahe. Ihre Anteilnahme ist stärker als alle Angst. Sie werden auch dabei sein, wenn er ins Grab gelegt wird. Und sie werden die ersten Osterzeugen sein.

Aushalten können, das ist die Stärke dieser Frauen. Sie können das Unrecht nicht aufhalten. Sie können am Leiden nichts ändern. Sie sind machtlos. Aber in dieser Ohnmacht haben sie die Kraft zu  bleiben.

Ich denke an die Angehörigen, denen es gelingt, mit einem Schwerkranken mitzuleiden und diesen Leidensweg gemeinsam zu ertragen. Ich denke an die Pflegekräfte in den Kliniken und Pflegeheimen, für die es zum Berufsalltag gehört, Leidenden nahe zu sein. Ich denke an die Ehrenamtlichen im Hospiz, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Sterbende zu begleiten. Wie viel Kraft gehört dazu!

Das kann nicht jeder. Das muss auch nicht jeder können. Aber wo Menschen es schaffen, anderen in ihrer schwersten Stunde nahe zu bleiben, da ist das ein großer Segen.

Als Vikar besuchte ich einen Patienten im Krankenhaus. Ich fand ihn abstoßend, geradezu widerlich. Ich erzählte meiner Mentorin davon. Sie riet mir: „Schau diesem Menschen ins Gesicht! Betrachte ihn so lange, bis du seine Schönheit entdeckt hast.“ Das ist es: Ich muss solange aushalten, bis ich im Angesicht des Leidenden den Menschen erkannt habe, den Gott liebt.

Pastor Peter Thom, Visselhövede

 

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Di. 25.03.14
Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans…
Peter Thom
Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang. In den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich.

Der Weg zum Kreuz

Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang. In den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich. Das ist gut so. Wir können diesen Weg nach­vollziehen. Was wir über unser eigenes Leben und Leiden den­ken, mag so in Beziehung geraten zu dem Leiden und Leben Jesu.

Prophetenworte zeigen: Der Menschensohn geht im Namen Gottes ans Kreuz. Hier beginnt keine neue Geschichte. Der Gott der Väter ist der Vater von Jesus. Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht weiter. Die Liebe Gottes hört nicht auf. Gott bleibt derselbe, auch im Sterben Jesu.

Für uns ändert sich dadurch ei­ne Menge in unserer Einstellung zum Leben. Nur das aktive, er­folgreiche, sichtbar mit Wohl­stand gesegnete Leben erscheint uns erstrebens- und le­benswert. Krankheit, Behinde­rung, Arbeitslosigkeit und beruf­liches Versagen stempeln das Le­ben als „lebensunwert" ab. Eine unheilbare Krankheit oder quä­lende Schmerzen verletzen die Menschenwürde. Einem solchen Leben den selbstgewählten Tod vorzuziehen, scheint für manchen Zeitgenossen berechtigter Aus­druck menschlicher Freiheit zu sein.

Jesus geht seinen Weg ans Kreuz. Und geht ihn zu Ende, da­mit wir verstehen: Vor Gott gibt es kein „lebensunwertes" Leben. Kein Leben ist so wertlos, dass es nicht doch von Gott angenommen wäre.

Jesus geht seinen Leidensweg, damit wir lernen: Schmerzen und Leiden tun der Menschenwürde keinen Abbruch. Es ist dem Men­schen durchaus würdig, Krank­heit und Schwäche zu erleiden. Einen natürlichen Tod zu sterben, liegt in der Natur des Menschen. Eine künstliche Ver­längerung des Lebens tastet die Menschenwürde genauso an wie seine künstliche Verkürzung.

Jesus hat das Leiden ausgehal­ten: Das Urteil über seine Men­schenwürde hat er Gott überlas­sen. Und der hat sein österliches Ja gesprochen. Seitdem hat sich für uns eine Menge verändert. Über unsere Menschenwürde ist entschieden: Nichts kann uns scheiden von der Liebe. Gottes, nichts! Unsere Menschenwürde kann nicht verloren gehen. Neh­men wir Gottes Urteil an.

Pastor Peter Thom

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Peter Thom

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Mi. 12.03.14
Warum lässt Gott das zu?
Peter Thom
Warum lässt Gott das zu?

Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Wenn alles glatt läuft, geht es mir gut. Ich bin zufrieden, wenn ich meine Ruhe habe. Ja, ich möchte in Frieden leben können.Aber manchmal kommt es faustdick: Eine Mutter stirbt bei einem  Verkehrsunfall. Warum? Der tüchtige Kollege geht am Alkohol zugrunde. Warum gerade er? Ein junger Mensch kämpft vergeblich gegen eine bösartige Krankheit. Warum dieses Leiden? Immer wieder diese Frage: Warum? Warum läßt Gott das zu? Was hat das für einen Sinn?

Aber gerade darauf weiß ich keine Antwort. Kann denn Leiden Sinn haben? Diese Frage macht mich unruhig, läßt mich nicht in Frieden. Und darum suche ich weiter nach Antworten. Alles Leiden wäre gewiss leichter zu ertragen, wenn man es erklären könnte. Ob es nicht viel-leicht doch etwas gibt, was bitteres Schicksal begreifbar macht? Ob es nicht doch eine Deutung gibt für den viel zu frühen Tod eines lieben Menschen? Ob nicht doch ein bisschen Sinn im Leiden steckt?

Nein, ich bleibe dabei: Leiden ist sinnlos. Und doch haben Menschen in schweren Zeiten Positives erlebt. Hinterher konnten sie sagen: „Ich sehe jetzt das Leben anders, aufmerksamer. Ich achte mehr auf das Wesentliche. Das ist für mich eine wichtige Erfahrung. Ich bin am Leiden gereift.“ Oder: „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Kraft habe, meine Angehörigen zu pflegen. Aber ich habe es geschafft. Ich bin daran stark geworden. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.“

Das ist zwar keine Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“. Aber es ist eine wichtige Erfahrung: „Durch Leiden lernen wir Geduld, durch Geduld kommt es zur Bewährung, durch Bewährung festigt sich die Hoffnung. Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen: Gottes Liebe hält uns fest.“

Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Ich brauche Ruhe und Frieden. Aber es läuft nicht immer alles glatt. Gerade dann ist es gut zu wissen: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand.

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Di. 28.05.13
Das Himmelreich gleicht einer Perle (MT 13,…
Karin Klement
Das Himmelreich gleicht einer Perle (MT 13, 44 + 45)

Das Himmelreich gleicht einer Perle

 

MT 13, 44 + 45

Jesus vergleicht Gottes Himmelreich mit unserer Welt und erzählt, auf welche Weise auch in dieser Welt himmlische Kostbarkeiten zu finden sind. JESUS spricht:

Das Himmelreich gleicht einem SCHATZ, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und versteckte. Und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und als er eine kostbare PERLE fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Liebe Damen und liebe Herren in unserer Runde!

Mögen Sie auch gern so etwas Glitzerndes, Leuchtendes in Ihren Händen halten? Eine PERLE wie einen Schatz betrachten mit strahlenden Augen, in denen sich das Wunderbare, Kostbare, Edle widerspiegelt?

Jede PERLE ist einmalig. Sie schimmert perlmutt mit ihren zarten, rosa-weiß-gelb-bis-bäunlichen Farben in jenem Licht, das sich in ihr widerspiegelt. Sie ist rund oder leicht oval, sehr glatt und ebenmäßig. Leichter als ein Stein.

Jede echte PERLE, ob sie nun in einer Muschel natürlich entstanden ist oder gezüchtet wurde, ist einmalig. Mit winzigen Variationen und Eigenheiten. Sie ist kostbarer als Gold und Silber, und wo man sie verschenkt, drückt sich darin eine hohe Wertschätzung der beschenkten Person aus.

Sie ist Symbol der Liebe. Nicht umsonst tragen Bräute oftmals eine Perlenkette oder einen Perlenring, wenn sie zum Traualtar schreiten. Ein Geschenk, das sagt: „Du bist mir so wertvoll wie der allergrößte Schatz auf dieser Erde!“

Echte Perlen sind auch deshalb so teuer, weil sie sehr lange brauchen, um zu entstehen. Sie wachsen in einer Muschel heran. Nicht, weil es der Muschel gefällt, sondern vielmehr, weil beim Öffnen ihrer Schalen kleine Verunreinigungen mit dem Meereswasser in sie hineingespült werden. Ein Sandkörnchen vielleicht. Mit seinen harten Kanten könnte es das zarte Muschelfleisch im Inneren verletzen. Entzündungen hervorrufen. Die Muschel wehrt sich gegen den fremden Eindringling und bildet eine Art Schutzschicht um das Sandkörnchen, um es zu isolieren und größeren Schaden zu vermeiden.

In einem lange dauernden Wachstumsprozess bilden sich Schalen um Schalen um das Steinchen, werden gedreht und gewendet, sodass sie äußerlich fast genau rund wird. Das schmutzige Sandkörnchen, auf dem vielleicht Keime ruhten, wird abgeschottet vom inneren Muschelfleisch, sodass die Muschel gesund bleibt.

Das Wachsen der Perle ist anstrengend, kostet die Muschel viel Kraft. Aber es sorgt für ihren Lebensschutz. Es ist eine Überlebenshilfe, die in Zeiten größter Bedrohung dafür sorgt, dass Beeinträchtigungen überwundern werden, Leben und Wachstum möglich bleiben.

Kennen Sie das auch aus Ihrem eigenen Leben? Situationen, in denen Sie etwas Schlimmes erlebten oder Bedrängendes, das Ihnen wie ein schwerer Stein mitten auf dem Lebensweg das Vorankommen erschwerte?

Können Sie erinnern, wie sie mit diesem Schlimmen, Bedrängenden, Belastenden umgegangen sind? Das sich vielleicht gar nicht so einfach beiseiteschieben ließ. An dem Sie nicht vorbei kamen. Das einfach da liegenblieb, wo es Ihnen begegnet war, und es Ihnen so schwer machte, weiterzugehen.

Vielleicht mussten Sie sich mit dem Unangenehmen beschäftigen. Das Schlimme berühren, anfassen, darüber sprechen, es zur Kenntnis nehmen und gelten lassen.

Vielleicht konnten Sie auch erfahren: Je mehr Sie sich mit dem Schwierigen, Schmerzhaften, Unangenehmen beschäftigten – desto besser konnten Sie es „verpacken“. Z.B. in Worte einpacken, also eine Situation mit Worten deuten, besprechen, klären. Die bedrängende Situation besser verstehen und etwas Neues daraus lernen.

Vielleicht konnten Sie – wie die Muschel die harten Kanten des Sandkörnchens – das, was Sie verletzte, „ummanteln“, den Schmerz, das Verletzende abdämpfen. Den bohrenden Keim abschotten von Ihrer inneren, leicht verwundbaren Seele.

Aus Ihrer Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen konnten Sie lernen, sich selbst zu schützen, die in Ihnen verborgenen Selbst-Heilungskräfte zu wecken.

Vielleicht hat Ihnen auch Ihr Glaube dazu verholfen. Ihr Vertrauen in GOTT und Christus – wirkt wie eine Schutzschicht vor den schlimmen Erfahrungen des Lebens; wie ein bergender Mantel, in den wir uns einhüllen können.

Ich bin sicher, jede und jeder von uns trägt solche PERLEN der Erfahrung in sich – kostbar für unser Leben; leuchtende, glänzende Siegeszeichen dafür, dass wir uns von schlimmen Ereignissen nicht unterkriegen ließen. GOTT selbst hat eine Überlebenshilfe in uns verankert, damit Beeinträchtigungen überwunden werden können und seelisches Wachstum möglich bleibt.

Das ist die eine Seite der Geschichte, die Jesus erzählt.

Zugleich vergleicht Jesus Gottes Himmelreich mit ebensolch einer PERLE. Und mit dem verborgenen SCHATZ IM ACKER.

PERLE und SCHATZ – Kostbarkeiten, die uns erfreuen, die unsere Augen zum Leuchten, unsere Herzen zum Glänzen bringen. Und genauso gilt dies auch für GOTTES HIMMELREICH AUF ERDEN. Es ist einmalig, unverwechselbar – und es wird uns geschenkt.

Das Himmelreich ist gewachsen aus dem Leiden und Schmerz, das der CHRISTUS auf sich nahm. SEIN KREUZ, das er nicht umgangen hat, nicht vermieden, nicht davor weggelaufen ist, sondern das er getragen und ertragen hat.

Er hat die schlimmen Erfahrungen von menschlicher Bosheit, die ihn ans Kreuz brachten, umgewandelt. ER hat aus seinem Schmerzensschrei einen Schrei der Befreiung gemacht. Einen Schrei der Freigabe für uns und alle Menschen – egal, wessen wir uns auch schuldig gemacht haben.

ER hat aus seinem Todeskampf einen Kampf für das Leben gemacht – für unser Leben und das Leben aller Geschöpfe Gottes. Darum wächst Gottes Himmelreich auf Erden – durch das, was CHRISTUS für uns und alle Welt getan hat.

Und es wächst weiter – mit jeder Erfahrung, die wir Menschen machen, die unsere Widerstandskraft herausfordert, die unsere inneren Heilungskräfte in Bewegung setzt. Und die wir mit unserem Glauben bewältigen.

Aus all den mit- und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, denen wir nicht aus dem Wege gehen können, die unvermeidlich sind, kann etwas Kostbares, Wunderbares entstehen. Wie ein hartnäckiges Sandkörnchen, das wir mit unserem Glauben ummanteln, mit unserem Vertrauen gegenüber Gott einhüllen. Bis daraus etwas Kostbares, Glänzendes entstanden ist.

Gewiss, das geschieht nicht sofort, sondern ist ein langer Entwicklungsprozess, der viel Kraft erfordert und manche Träne kostet. Aber danach zu suchen, lohnt sich allemal.

Lasst uns also weiter nach dem verborgenen Schatz im Acker buddeln; lasst uns die eine, wahre kostbare Perle unter den unzähligen Angeboten herausfinden – und Gottes Himmelreich auf Erden mit unserem Glauben weiter aufbauen, weiter wachsen lassen.

Und noch etwas:

Alle Schätze sind begrenzt, alle Perlen selten zu entdecken; aber Gottes Himmelreich ist unendlich, ohne Begrenzung. Sein HIMMEL steht offen für alle Seine Geschöpfe.

Für Menschen, die sich streiten, und für jene, die sich wieder vertragen. Für die, die anderen wehtun, und jene, die einander trösten und für einander einstehen. Sein HIMMEL wächst aus jeder zwischenmenschlichen Erfahrung, so belastend, schmerzvoll sie auch ist, und bringt letztlich uns und alle Welt zum Glänzen.

AMEN

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Do. 02.05.13
Passion - ein Fremdwort
Jörg-Peter Thom
Passion - ein Fremdwort

Die Konfirmanden wußten nicht, was Passion bedeutet. Leiden ist halt ein Fremdwort. Von dem Weg Jesu ans Kreuz hatten sie noch nichts gehört. Wahrscheinlich geht es vielen Menschen so. Passion paßt nicht in unsere Zeit.

Dabei steckt der Kreuzweg Jesu voller Dramatik. Einer muß den eigenen Galgen tragen. Und wird ans Kreuz gehängt. Viele schauen sich das an, werden Zeuge, wie einer leidet und stirbt.

Menschen unter dem Kreuz. Die einen spotten, höhnen und lästern. Andere stehen teilnahmslos dabei und gaffen. Und manche weinen, klagen und wollen wissen: „Warum läßt Gott das zu?“ Der Gekreuzigte selbst stellt die entscheidende Frage: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

„Mein Gott, warum?“ Allerdings - diese Frage kennen wir. Wir wissen auch von dem Leid, das hinter diesen Fragen steht. Wir haben die Bilder der Hungernden, Vertriebenen und Gefolterten vor Augen. „Warum?“ Uns fallen die Verunglückten wieder ein, junge Leute, die beim Verkehrsunfall starben. „Warum?“ Wir müssen an die Menschen denken, die plötzlich erkrankten und bitter leiden mußten. „Warum? Warum trifft es mich? Und wenn es einen Gott gibt – warum hilft er nicht?“

Wir kennen diese Fragen. Aber wir kennen keine Antwort, nichts, was angesichts von Schuld und Verhängnis, Unglück und Leiden Sinn stiften würde. Das Leiden bleibt sinnlos. Das Kreuz steht dunkel und rätselhaft da.

Wir haben keine Antwort. Natürlich können wir auch den Fragen aus dem Weg gehen. „Das Leben muß weitergehen ...“ Man kann die Fragen verdrängen. Meldungen über Unglücke und Katastrophen bekommen etwas Alltägliches. Bilder von Krieg und Flucht sind beinahe normal. An den Anblick des Gekreuzigten kann man sich gewöhnen. Aber nicht an das eigene Leid; das Unglück, das uns selbst betrifft. Spätestens dann sind alle Fragen wieder da. „Warum?“ Und dann kann man nicht zur Tagesordnung übergehen und harmlos bunte Ostereier köpfen.

Wir haben keine Antwort. Es sei denn, wir lassen uns die Antwort von Ostern gefallen. Jesus lebt! Der sinnlos Leidende bleibt nicht gottverlassen. Das ist Gottes Antwort auf alle unsere Fragen. Das ist in aller Sinnlosigkeit der letzte Sinn: Gott bleibt auch im Tode Gott.

 

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