Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mi. 08.02.17
Wie die Schneeflocke so leicht
Peter Thom
Wie die Schneeflocke so leicht

Wie die Schneeflocke so leicht

Ich schaue aus dem Fenster: Ein paar Schneeflocken schweben herab und wirbeln umher. Vom Wind getrieben und getragen tanzen sie eine Weile den Schneeflockentanz. Und sinken schließlich hinunter zu den vielen anderen, die schon wieder tauen.

Was bewegt mich im noch so jungen Jahr 2017? Bin ich auch nur eine Schneeflocke unter vielen anderen, die den Mächten und Kräften dieser Welt gehorchen müssen? Was trägt mich? Was treibt mich?

Nein, Schneeflocke bin ich nicht. Ich habe Willen und Verstand, meine Kräfte einzusetzen, Neues zu bewegen und Gutes zu tun. Dafür bin ich ein erwachsener Mensch und trage Verantwortung für mich und andere. Ich bin nicht Getriebener; ich betreibe meine Sache. Ich habe Vorsätze für’s neue Jahr und guten Willen, die Zukunft zu gestalten.

Was treibt mich in alledem? Ist es die Angst vor der Unberechenbarkeit des neuen amerikanischen Präsidenten? Oder die drohende Wirtschaftskrise, die mich bange macht? Ist es die Furcht vor Krankheit oder Unglück? Ich muss mir bewusst machen, was mich treibt; denn Angst und Sorge sind schlechte Ratgeber. Sonst bin ich am Ende doch nur Getriebener von allgemeinen Ängsten und Panikmache.

Welche Hoffnungen habe ich für das neue Jahr? Was trägt mich, was gibt mir guten Mut, Neues zu wagen? Was begeistert mich? Ich muss mir das bewusst machen, sonst bleibe ich abhängig von den wohlfeilen Illusionen dieser Zeit.

„Die der Geist Gottes treibt, die sind seine Kinder.“ Ich will mich leicht machen – wie eine Schneeflocke so leicht – und mich treiben lassen von Gottes lebensschaffender Energie. Ich will mich tragen lassen von seinem gutem Geist .

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So. 08.01.17
Zukunftsmotor Vertrauen
Peter Thom
Zukunftsmotor Vertrauen

Zukunftsmotor Vertrauen

Bei uns zu Hause wird der Weihnachts-baum am 6. Januar entsorgt. Am Drei-Königs-Tag ist Weihnachten endgültig vorbei. Gerade dann also, wenn die Zeit für die andere Weihnachtsgeschichte gekommen ist: „Wir haben seinen Stern gesehen!“ Sternendeuter aus dem Ausland suchen nach dem wahren König. Menschen, die den Sternen trauen, beten an: Ein Kind nur, aber es soll ein Weltenherrscher werden, ein Friedenskönig. Am Ende der Geschichte muss die heilige Familie auf die Flucht. Eine großartige Story mit einem gewöhnlichen Ende: Der Alltag ist wieder da. Flüchtlingselend, Not und Verfolgung. Das könnte heute in der Zeitung stehen. Und wer’s liest, seufzt: Ja, so ist das in dieser Welt!

Ernüchterung nach dem Fest. Überhaupt blicken die meisten mit wenig Hoffnung in die Zukunft. Die Mehrheit kann sich nicht vorstellen, dass sich im neuen Jahr etwas ändert oder gar besser wird.. Trübe Aussichten im Januar 2017!

Welche Rolle spielt dabei eigentlich unser Glaube? Ist er eine tragende Kraft im neuen Jahr? Gewiss, die Zukunft ist ungewiss; ich weiß nicht, was kommt. Aber ich erinnere, was ich schon erfahren habe an Schutz und Bewahrung. Ich kann dieses Glaubenswissen für das neue Jahr aktivieren: Da ist eine Hand, die mich hält. Das gibt Mut für die Zukunft. Darum kann ich dem neuen Jahr etwas zutrauen: Es wird gut werden.

Keine Frage Angst macht krank und Hoffnungslosigkeit hemmt. Zuversicht aber ist der Motor für Veränderungen und Vertrauen trägt. Und das ist genau das, was wir als Christen mit unserem Glauben für die Zukunft in unserem Land beitragen können.

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Do. 01.12.16
Wie es Weihnachten wird
Peter Thom
Wie es Weihnachten wird

Wie es Weihnachten wird

 

 

Weihnachten nahte

und mein Nachbar Hein Cordes aus Wittorf

hatte eines Tages die Idee,

eine Weihnachtskrippe herzustellen.

Also setzte er sich jeden Abend in die Küche

und schnitzte eine Figur.

Mancher schaute ihm zu und fragte:

„Wie machst du das?“

„Ich nehme ein Stück Holz und ein scharfes Messer,“

antwortete Hein, „und fange an zu schnitzen.“

„Aber wie kriegst du das hin,“  fragte man ihn,

„dass dabei ein Hirte herauskommt?“

„Ich schneide alles weg, was nicht nach Hirte aussieht.“

 

Und so schnitzte Hein Tag für Tag eine Figur.

Jeder Hirte, jedes Schaf machte ihn weihnachtlich froh.

Mit jedem Engel wuchs die Freude.

Hein schuf die drei Könige

und fand sich reich beschenkt.

Er schnitt Maria und Josef aus dem Holz

und fühlte mit ihnen in der Sorge um das Kind.

Er schnitzte das Kind in der Krippe.

Das war nicht einfach,

denn es war ja so klein, das Kind,

so winzig klein, verletzlich und nackt.

Er sägte und hämmerte und fügte die Bretter zu einem Stall

und staunte, wie arm Gott wird,

um den Menschen nahe zu kommen.

Schließlich nahm er einen Tuschkasten

und malte die Figuren an.

Nun stand die Krippe mit zwanzig Figuren vor ihm.

Und er wusste:„Jetzt kann es Weihnachten werden.“

 

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Mo. 07.11.16
Ein Tag des Heils?
Peter Thom
Ein Tag des Heils?

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!

Ein Tag des Heils? Sodaß wir geheilt würden? Eine Zeit der Gnade, sodaß wir noch einmal davongekommen wären, sodaß uns das Leben nocheinmal geschenkt würde? Und das alles jetzt? Heute? Hier? Die angenehme Zeit? Der Tag des Heils? Das wäre eine Überraschung, nicht wahr, so ungefähr, wenn an irgendso einem grauen, ungemütlichen, normalen Tag jemand an der Tür klingelte und sagen würde: Ich habe Ihnen eine gute Nachricht zu überbringen: Sie haben im Lotto gewonnen! Und wir würden sagen: Nein, das gibt’s doch garnicht!

Ein Tag des Heils - aber was ist schon ein Tag? Wir haben viel Zeit darüber nachzudenken, wie die Zeit vergeht, wie unser Leben vergeht, wie Menschen aus unserem Leben gehen, und wir selbst, was wird aus uns? Es ist ja jetzt diese trübe, dunkle Jahreszeit, wo man auf den Friedhof zu den Gräbern der Angehörigen geht und dann kommen einem so die Gedanken, die Erinnerungen und es sind auch schmerzliche Erinnerungen. Was ist schon ein Tag! Die Zeit vergeht so schnell! Das ist es doch, was Menschen, die einen runden Geburtstag feiern, mit leisem Schrecken entdecken - wie schnell die Zeit vergeht. Oder Ehepaare, wenn sie ein Ehejubi-läum feiern können: Wie schnell die Jahre doch vergangen sind!

Je älter man wird, umso schneller scheint die Zeit zu vergehen; wie oft höre ich diesen Satz als Erfahrung der Älteren. Gewiß - dafür gibt es viele Gründe: Die Zeit schreitet immer gleich schnell voran; aber die Menschen werden mit dem Alter langsamer. Und ist es nicht auch so, daß es am Anfang des Lebens viel Neues gibt, immer neue Entdeckungen, und später wiederholt sich vieles, werden viele Tage zum grauen Alltag. Aber ganz bestimmt ist es auch so, daß wir uns immer öfter wünschen, es möge doch dieser Tag mit seinen unangenehmen Verpflichtungen schnell vorüber-gehen, es möge doch diese Woche der Arbeit und der beruflichen Anspannung schnell vorübergehen, sodaß man sich auf das Wochenende freuen könnte. Es möge diese Zeit der schwierigen Aufgaben und der mühevollen Anstrengungen bald hinter uns liegen, sodaß man den Urlaub antreten könnte! Vielleicht ist es ja auch so, daß wir uns wünschen, sehnlich wünschen, es möge die Zeit schnell vorübergehen und wir könnten uns auf etwas ange-nehmeres freuen! Und so fliegen die Jahre dahin.

Jetzt ist die angenehme Zeit! Jetzt ist der Tag des Heils! Verstehen Sie, was das bedeutet? Diesen Tag schenkt Gott dir; nimm ihn als ein Gnadengeschenk! Heute, nicht irgendwann irgendwie später, sondern jetzt ist der Tag des Heils. Das Leben ist dir gegeben, damit du heute lebst. Gnade, Versöhnung mit Gott ist dir heute zugesagt, damit es eine angenehme Zeit wird, damit du heute leben kannst. Daß du nicht sagen mußt: Wie sind doch die Jahre verflogen und was bleibt mir davon? Damit du nicht trauern mußt wegen der vertanen Zeit, wegen der versäumten Gelegenheiten, wegen der verpaßten Chancen. Heute, jetzt ist die Zeit der Gnade, heute, jetzt ist der Tag des Heils. Daß wir geheilt würden von unserer Angst zu kurz zu kommen, daß wir befreit würden von Zeitdruck und Sterbensangst, daß wir trotz allem Unangenehmen und Bedrohlichem das Geschenk Gottes annehmen: diesen Tag, diese Stunde, um zu leben. Etwas anderes verlangt Gott nicht von uns, denen er das Leben anver-traut hat; nur dies eine: Daß wir trotzdem leben. „Als die Unbe-kannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertötet; als die Trau-rigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben.“ Das Leben ist uns geschenkt, und es kommt darauf an, dieses Gnadengeschenk anzunehmen; nicht irgendwann, sondern heute; nicht später einmal, sondern: Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils!

 

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Mo. 04.04.16
Was gibt es zu Ostern zu sagen?
Peter Thom
Was gibt es zu Ostern zu sagen?

Was gibt es zu Ostern zu sagen? Paulus ist der erste, der schriftlich festhält: „Brüder und Schwestern, ich erinnere euch an die Gute Nachricht, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen; sie ist der Grund, auf dem ihr im Glauben steht. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr sie unverfälscht festhaltet.“ Paulus erinnert daran, dass Menschen bezeugt haben: Er ist mir erschienen als der Lebendige und ich habe ihn wiedererkannt an den Zeichen der Folter und der Kreuzigung. Darum geht es also zu Ostern, dass wir das, was wir im Glauben angenommen haben, festhalten und bewahren. Und es liegt im Wesen der Auferstehung, dass die Zeugen des Lebendigen es nicht für sich behalten haben, sondern davon reden mussten, verkünden mussten, was ihnen widerfahren war. Dafür können wir einfach nur dankbar sein. Die Sache Jesu ist immer weitergegangen. Das ist die erstaunlichste Erfahrung mit Ostern. Die Gute Nachricht wird uns immer wieder verkündigt, und das dient uns zur Rettung, so wie sie damals Menschen vor dem Abgrund des Todes bewahrt hat. Die Jünger Jesu standen vor dem Nichts. Sie hatten alles verloren: Der, der die neue Welt angesagt hatte, geht an der alten Welt zugrunde. Der, der von Gottes Nähe erfüllt war, stirbt gottverlassen den Tod am Kreuz. Der, der anderen Vergebung zugesagt hatte wird gnadenlos gerichtet. Nichts bleibt. Was kann da noch erwartet werden? Von den Menschen nichts. Und von Gott? Menschlich wäre, dass er sich endgültig abwendet. Aber er tut es nicht.

Von den Zeugen heißt es: Er ist erschienen. In diesem schlichten Satz beginnt eine neue Welt. So handelt Gott an uns: Da werden Grenzen, die unüberwindbar schienen, überschritten: die Grenze des Todes, die Grenze der Schuld, die Grenze unseres Lebens. Jesus, der in seinem Leben immer wieder Grenzen überschritten hat, erscheint seinen Jüngern. Die Grenze aber, an der sie ihn scheitern sahen, die letzte und feindlichste aller Grenzen, sie ist nicht mehr. Er erscheint seinen Jüngern lebendig. Der Gekreuzigte lebt. Sie erkennen ihn wieder an den Zeichen der Kreuzigung. Sie merken: Er ist es; der durch den Tod ging, lebt. Ihn hat Gott auferweckt. Und er bleibt nicht für sich. Er durchschreitet die Grenzen für uns. Er begegnet Menschen, erfahrbar und verändernd. So werden aus Verzweifelten Getröstete und aus Trauernden frohe Menschen.. Er ist erschienen. Jesus führt seine Sache weiter. Was lebend er bezeugte, bleibt unbedingt gültig. Und doch ist Neues geschehen: Jetzt ist es endgültig, dass die Grenze von Schuld und Tod überschritten ist, und uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann.

Freilich, das alles ist anfechtbar, bestreitbar. Waren es nicht Anhänger Jesu, die bezeugten: Er ist erschienen? Was kann daran schon objektiv sein? Was kann historischer Forschung standhalten?

Das ist freilich der erstaunlichste Punkt: Nicht nur der irdische Jesus, sondern auch der Auferstandene begab sich in die Hand der Menschen. Der Auferstandene erschien jenen menschlichen Zeugen: Petrus, der ihn verleugnet hatte. Thomas, der Zweifler, der es nicht glauben konnte. Und all den anderen, die ihn, als es gefährlich wurde, im Stich gelassen hatten. Das sind die Menschen, die bezeugten: Er ist erschienen. Niemand wird durch einen Beweis überwältigt. Niemand muss dem menschlichen Zeugnis jener allzu menschlichen Freunde Jesu glauben. Und gleichzeitig gilt: Durch eben diese Zeugen und nur durch ihre Verkündigung will der Auferstandene Glauben wecken, will er erfahrbar werden. Es gibt nur eine Möglichkeit, Ostern zu verstehen, also zu begreifen, dass mitten in der alten Welt eine neue Welt beginnt: sich mitnehmen lassen, erstaunt, verwundert, ungläubig, wie wir oft sind. Es gibt nur diese Möglichkeit, sich diesem Ereignis zu öffnen, dass er uns begegnen will. Dass er in unser Leben, in unser Handeln und Tun hinein auferstehen will. Pls konnte nur sagen: Es ist Gnade, weiter nichts.

Was bedeutet das? Trotz aller Schuld ist Versöhnung möglich. Trotz allem Krieg ist Frieden erfahrbar. Trotz allem Hass bringt  Liebe das Leben zum Ziel. Das alles ist nicht vergeblich. Aber es ist Gnade. Amen.

 

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Mo. 29.02.16
Jesus in Bethanien: Die Entscheidung naht
Peter Thom
Jesus in Bethanien: Die Entscheidung naht

Jesus in Bethanien. Jerusalem ist nicht mehr weit. Die Entscheidung rückt immer näher. Jesus weiß es. Seine Freunde wollen es nicht wissen.

Die Männer im Gefolge Jesu müssen einigermaßen verwirrt gewesen sein. So wie sich diese Frau verhält, ist das ungewöhnlich, ja ungehörig genug. Für die Männer war es schwer einzuordnen, was sie eigentlich wollte. Und darum haben sie nicht einfach gesagt: „Diese Frau benimmt sich unanständig!“ Jesus hatte ja bekanntlich ein Herz für alle möglichen unmöglichen Leute. Und sie haben auch nicht gesagt: „Solche Art von Sympathiebezeugungen sind hier fehl am Platze.“ Da hatte Jesus ihnen schon einmal Kontra gegeben, als sie ihm Frauen und Kinde vom Hals halten wollten. Nein, sie analysierten scharfsinnig und kalkulierten genau: „Es ist Verschwendung! Wieviel Geld hätte man kriegen können für solch kostbares Nardenöl! Und man hätte den Erlös den Armen geben sollen. Jawohl, den Armen, den Bettlern!“

Ob den Jüngern Jesu wirklich die Armen so wichtig waren? Ob ihnen wirklich die Bettler so leid taten? Ob sie mit der gefühlsbetonten Aktion dieser Frau nicht klar kamen? Oder waren sie am Ende eifersüchtig?

Jedenfalls kommen sie mit so furchtbar vernünftigen Überlegungen daher. Was die Freunde Jesu da sagen, hat nichts zu tun mit der Frau und was sie für Jesus will. Manchmal, wenn wir mit den eigenen Gefühlen nicht klar kommen, dann reagieren wir rational, allein mit dem Kopf. Und merken garnicht, dass das auf einer ganz anderen Ebene liegt. So redet man aneinander vorbei.

Die Frau aus Bethanien nähert sich schweigend Jesus, sie sagt kein Wort. Die Jünger argumentieren.

Die Frau salbt Jesus, sie kommt ihm sehr nahe. Die Jünger distanzieren sich.

Die Frau tut etwas Unerwartetes, fast Ungehöriges. Die Jünger regen sich gehörig auf, was zu erwarten gewesen war.

Die Frau tut etwas; sie tut etwas für Jesus, für ihn allein. Die Jünger diskutieren über die Armut in der Welt. „Ja, man müsste...! Man hätte doch...!“

Und Jesus? Jesus nimmt an, was die Frau für ihn tut. Er läßt diese liebevolle Geste geschehen. Er gibt der Frau recht: „Arme habt ihr allezeit. Sie aber hat gespürt, gefühlt, geahnt, was jetzt notwendig ist. Ihr versteht es nicht, ihr begreift es immer noch nicht. Aber sie hat es getan.“ Es muss den Freunden Jesu kalt über den Rücken gelaufen sein: „Sie hat mich für mein Begräbnis gesalbt.“ Unzeitiges zur rechten Zeit.

Soviel Zärtlichkeit steckt in dieser Szene. Judas hält das nicht aus. „Er läßt sich von diesem Weibstück einschmieren! Und ich hatte gehofft, er würde zum König gesalbt und dann würde er die Römer verjagen. Aber das geht nicht mit Zärtlichkeit, sondern nur mit Macht und zur Not mit Gewalt!“ Und Judas ging hin und verriet Jesus.

Jesus in Bethanien. Jerusalem ist nicht mehr weit. Die Entscheidung rückt immer näher. Jesus weiß es; seine Freunde wollen es nicht wissen; die Frau spürt es. Der, den sie so herzlich verehrt, ist in Gefahr! Und sie hält mit ihm diese Situation aus. Sie bleibt in seiner Nähe.

Unzeitiges zur rechten Zeit. Wie gut es doch wäre, wenn man sich auf seine eigenen Gefühle verlassen könnte! Gerade in Bezug auf Jesus, gerade dann, wenn es um den Glauben geht. Und dass man die Gefahr spürt, die Angst aushält und nicht flüchtet in Worte, in Diskussionen. Aushalten müssen wir allemal, dass Liebe so ohnmächtig ist.

Fragen gibt es viele auf dem Weg nach Jerusalem: „Warum gerade er?“ „Muß er wirklich diesen Leidensweg gehen? Geht es nicht auch anders?“ „Warum dieses Leiden?“ „Warum muß der Gerechte leiden und der Gottlose lebt in Freuden?“ Ob wir diese Fragen aushalten können?

Amen.

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Do. 14.01.16
Wie einen seine Mutter tröstet
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Wie einen seine Mutter tröstet

Wie einen seine Mutter tröstet

Ein neues Jahr hat angefangen und ch bekenne, dass mich die große Anzahl der Sinnlosigkeiten fassungslos macht. Und ich sehe sehr viel Sinnloses um mich herum.  Ich höre nicht auf, nach Sinn zu suchen. Ich weiß nur eins, dass ich in alledem auf Trost angewiesen bin. Ich bin ein schwacher Mensch; dazu bekenne ich mich. Darum glaube ich an Gott und höre ich auf Gottes Wort.Und ich höre jetzt, jetzt in dieser Zeit, jetzt am Anfang des Jahres Gottes Wort, wie es der Prophet Jesaja aufgeschrieben hat: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Und ich bekenne: Ja, das brauche ich. Ich brauche Trost! Ich habe es nötig, dass Gott mich tröstet.

Wie einen seine Mutter tröstet? Aber wir wissen doch, wie uns unsere Mutter getröstet hat: Da waren wir gefallen, erinnert ihr euch? Oder wir hatten uns gestoßen, wisst ihr noch? Und da nahm uns die Mutter in den Arm. Sie wusste, wie man tröstet. Was hat sie gemacht? Sie hat gepustet! Wisst ihr noch? Sie hat das Aua weggepustet. Denn Mutter wusste, wie sie ihr Kind tröstet. Natürlich kann das Aua nicht fliegen, der Schmerz hat keine Flügel. Aber der Schrecken war weg.

Oder erinnert ihr euch noch an das aufgeschlagene Knie? Es hat geblutet. Und was hat Mutter gemacht? Sie hat ein buntes Pflaster draufgeklebt. Und hat das geholfen? Ja! Mutter wusste, wie sie ihr Kind tröstet. Und wenn das kleine Kind sich nicht beruhigen wollte und ganz heftig geheult hat? Dann hat die Mutter es in den Arm genommen und hat es gedrückt. Ganz doll gedrückt – solange, bis es sich wieder beruhigt hatte und weiterspielen konnte. So ist das, wenn einen seine Mutter tröstet. Sie kennt ihr Kind. Sie weiß, was es braucht.

Und es war eine wunderbare Erfahrung, immer wieder auf Mutters Schoß zurückkehren zu können und sich trösten zu lassen. Und daraus erwächst die Kraft, das Leben in dieser Welt zu bestehen.  Und das ist eine ganz wichtige Erfahrung. Eine Erfahrung, die alle Menschen machen können.

Ich bin kein Kind mehr. Schon lange passe ich nicht mehr auf Mutters Schoß. Ich bekenne, dass ich Gottes Trost brauche. So wie einen seine Mutter tröstet, so brauche ich Trost von Gott. Darum kann ich all die Sinnlosigkeiten in der Welt aushalten. Und ich kann mich immer wieder auf den Weg machen, hin zu den Menschen, die ich trösten kann.

Unterwegs erfahre ich immer wieder, was ich damals auf Mutters Schoß gelernt habe: Da ist eine Hand die mich hält. Ich bin nicht den zufälligen Mächten und Gewalten ausgesetzt, ich bin gehalten. Ich bin aber auch nicht hilflos den Menschen ausgeliefert,  Mächten und Gewalten, die keinen Gott wollen und denen nichts heilig ist. Ich aber weiß: Ich bin von guten Mächten  wunderbar geborgen.  Das tröstet mich.

 

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Do. 17.12.15
Weihnachten kann kommen
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Weihnachten kann kommen

Weihnachten kann kommen

Kennen Sie das auch? Die Adventszeit naht und der Blutdruck steigt. Spätestens am 1. Advent wird deutlich: In vier Wochen ist Heilig Abend. Was bis dahin noch alles bedacht und geplant, eingekauft und eingepackt, organisiert und abgeklärt werden muss! Denn schließlich soll es wieder ein schönes Fest werden!

Natürlich, Sie kennen das. Und glauben Sie mir, mir geht’s nicht anders: Das erste ist jedes Jahr das Krippenspiel, das rechtzeitig geschrieben, ausgedruckt und kopiert werden muss. Dann die Adventsfeiern für Vereine und Gemeindenachmittage. Und schließlich all die Vespern und Gottesdienste zu Weihnachten. Wie soll man das alles schaffen, vernünftig vorbereiten? Das macht Stress! Jedes Mal wieder diese Anspannung, wenn die Adventszeit naht.

Dann kommt der Tag, wo ich anfange, alle meine Bücher hervorzuholen, in denen die schönen Weihnachtsgeschichten stehen. Ich finde unzählige Zettel, Gedichte, Lieder. Ich fange an zu lesen. Ich lese stundenlang Weihnachtsgeschichten, lasse mich wieder anrühren von wohlvertrauten Texten, entdecke neue und freue mich über unerwartete, überraschende Gedanken zu der alten, immer wieder spannenden Geschichte vom Kind in der Krippe. Ich lese und lese und spüre, wie mich die weihnachtlichen Erzählungen anrühren, wie mir das Herz voll ist von dem Wunder der Weihnacht. So dass ich lachen oder weinen muss vor Freude oder Rührung. Ich lese und lese und bin glücklich über meinen Beruf, der es mir erlaubt, dienstlich in Weihnachts-geschichten zu stöbern. Ich lese und lese und alle Angst vor Advent und Weihnachten weicht. Ich fange an, mich auf Heilig Abend zu freuen. Was für eine wunderbare Zeit, alle Jahre wieder!

Schließlich lege ich alle Zettel und Bücher beiseite, zünde eine Kerze an und spüre ganz gewiss: Weihnachten kann kommen!

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Do. 29.10.15
Geld ist gut
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Geld ist gut

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Manchmal hat es den Eindruck, die Kirche habe etwas gegen Reiche.  Es scheint fast so, als könnten nur Arme selig werden. Aber das stimmt nicht. Und es ist auch nicht evangelisch.

Die Bibel weiß: Geld ist gut. Wenn ich reichlich geerntet habe, dann ist das eine gute Gabe Gottes. Wenn ich fleißig gearbeitet, klug gewirt-schaftet habe, dann ist das ein Segen. Wenn ich mit meinem Kön-nen Hervorragendes geleistet habe, dann weiß ich: Mein Talent, meine Begabung habe ich von Gott. Danke, Gott, für alles, was ich kann!

Wohlstand ist ein Segen. Die Bibel weiß aber auch, dass Reichtum gefährlich ist. Wer sich ständig um seine Konten kümmern muss, hat keine Zeit für andere, die zu wenig in der Kasse haben. Geld wird zum Problem, wenn sich in meinem Leben alles um Kapital und Zinsen dreht. Wenn ich ständig gezwungen bin, den Profit zu steigern, weil sonst die Aktienkurse fallen, dann wird der Segen zum Fluch. Und ich werde blind für die Not der anderen.

Geld ist gut – gib von dem, was du zu viel hast, denen, die zu wenig haben. Auf erfolgreichem Wirtschaf-ten liegt ein Segen – teile ihn mit den Erfolglosen. Du kannst stolz sein auf deine Leistungen! Vergiss darüber nicht die anderen, die weniger leisten können.

„Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.“ Dazu muss man übrigens kein Millionär sein.  Das kann jeder. Tu, was du kannst! Wenn du gütig bist, gib deine Güte. Wenn du begabt bist, mach dich mit deinen Gaben nützlich. Wenn du Geld hast, spende.

Übrigens: War es nicht das, was die Väter unserer Republik im Sinn hatten, als sie die „soziale Marktwirtschaft“ schufen?

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Do. 25.06.15
Sich fallen lassen können
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Sich fallen lassen können

Urlaub - sich fallen lassen können

Es war im Urlaub an der Nordsee: Ein kleines Mädchen rollte die Düne hinunter. Immer wieder. Sie kletterte die Düne hoch und ließ sich fallen. Sie überschlug sich im weichen Sand. Sie kugelte und purzelte herunter und quietschte dabei vor Vergnügen: „DAS MACHT SPASS!“

Ich habe dem kleinen Mädchen eine Weile zugeschaut und habe es beneidet. Genau das ist es, dachte ich, was Urlaubmachen bedeutet: Sich unbeschwert fallen lassen zu können. Sich ganz und gar dem Augenblick hingeben zu können und zu spüren: „Das tut gut!“

Ich selber brauche Tage, bis ich mich im Urlaub vom Alltagstrott ganz gelöst habe. Termine und Verpflich-tungen halten mich gefangen, lassen mich nicht los. Ungelöste Probleme und bevorstehende Aufgaben reisen einfach im Urlaubsgepäck mit. Die Gedanken kreisen weiter um Ärger und Streitereien. So sind die ersten Tage die entscheidende Phase des Urlaubs: Kann ich abschalten? Wird es mir gelingen loszulassen, mich zu lösen von beruflichen Stress und Alltagssorgen?

Denn jeder weiß: Der Urlaub beginnt erst richtig, wenn man den normalen Alltag hinter sich gelassen hat. Erst dann können Körper und Seele sich erholen, neue Kräfte sammeln.

Urlaub, freie Zeit sind ein kostbares Geschenk. Es ist gut zu wissen: „Du darfst!“ Du darfst untätig sein. Du mußt nichts schaffen, nichts erledigen. Du darfst mit Hingabe faul sein. Du mußt nichts leisten. Du darfst dich ganz dem Augenblick hingeben. Du mußt dabei nicht gleich an Morgen denken. Es muß dir auch die ungenutzte Zeit nicht Leid tun. Und du kannst dabei die Erfahrung machen: „Das tut gut!“

Sich fallen lassen zu können, das wäre prima. Und dabei zu spüren: Da ist eine Hand, die mich hält. Auch wenn ich nichts leiste. Auch wenn ich einfach nur dasitze und auf das endlos weite Meer hinausschaue. Oder mich freue an den Blumen im Garten. Und mir betend bewußt wird: „Meine Zeit steht, Herr, in deinen Händen. Danke, Gott, für die schöne freie Zeit, für den Urlaub.“      

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Was gibt es zu Ostern zu sagen?
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Was gibt es zu Ostern zu sagen?

Was gibt es zu Ostern zu sagen?

Paulus ist der erste, der schriftlich festhält: „Brüder und Schwestern, ich erinnere euch an die Gute Nachricht, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen; sie ist der Grund, auf dem ihr im Glauben steht. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr sie unverfälscht festhaltet.“ Paulus erinnert daran, dass Menschen bezeugt haben: Er ist mir erschienen als der Lebendige und ich habe ihn wiedererkannt an den Zeichen der Folter und der Kreuzigung. Darum geht es also zu Ostern, dass wir das, was wir im Glauben angenommen haben, festhalten und bewahren. Und es liegt im Wesen der Auferstehung, dass die Zeugen des Lebendigen es nicht für sich behalten haben, sondern davon reden mussten, verkünden mussten, was ihnen widerfahren war. Dafür können wir einfach nur dankbar sein. Die Sache Jesu ist immer weitergegangen. Das ist die erstaunlichste Erfahrung mit Ostern. Die Gute Nachricht wird uns immer wieder verkündigt, und das dient uns zur Rettung, so wie sie damals Menschen vor dem Abgrund des Todes bewahrt hat. Die Jünger Jesu standen vor dem Nichts. Sie hatten alles verloren: Der, der die neue Welt angesagt hatte, geht an der alten Welt zugrunde. Der, der von Gottes Nähe erfüllt war, stirbt gottverlassen den Tod am Kreuz. Der, der anderen Vergebung zugesagt hatte wird gnadenlos gerichtet. Nichts bleibt. Was kann da noch erwartet werden? Von den Menschen nichts. Und von Gott? Menschlich wäre, dass er sich endgültig abwendet. Aber er tut es nicht.

Von den Zeugen heißt es: Er ist erschienen. In diesem schlichten Satz beginnt eine neue Welt. So handelt Gott an uns: Da werden Grenzen, die unüberwindbar schienen, überschritten: die Grenze des Todes, die Grenze der Schuld, die Grenze unseres Lebens. Jesus, der in seinem Leben immer wieder Grenzen überschritten hat, erscheint seinen Jüngern. Die Grenze aber, an der sie ihn scheitern sahen, die letzte und feindlichste aller Grenzen, sie ist nicht mehr. Er erscheint seinen Jüngern lebendig. Der Gekreuzigte lebt. Sie erkennen ihn wieder an den Zeichen der Kreuzigung. Sie merken: Er ist es; der durch den Tod ging, lebt. Ihn hat Gott auferweckt. Und er bleibt nicht für sich. Er durchschreitet die Grenzen für uns. Er begegnet Menschen, erfahrbar und verändernd. So werden aus Verzweifelten Getröstete und aus Trauernden frohe Menschen.. Er ist erschienen. Jesus führt seine Sache weiter. Was lebend er bezeugte, bleibt unbedingt gültig. Und doch ist Neues geschehen: Jetzt ist es endgültig, dass die Grenze von Schuld und Tod überschritten ist, und uns nichts von der Liebe Gottes trennen kann.

Das alles ist anfechtbar, bestreitbar. Waren es nicht Anhänger Jesu, die bezeugten: Er ist erschienen? Was kann daran schon objektiv sein? Was kann historischer Forschung standhalten?

Das ist freilich der erstaunlichste Punkt: Nicht nur der irdische Jesus, sondern auch der Auferstandene begab sich in die Hand der Menschen. Der Auferstandene erschien jenen menschlichen Zeugen: Petrus, der ihn verleugnet hatte. Thomas, der Zweifler, der es nicht glauben konnte. Und all den anderen, die ihn, als es gefährlich wurde, im Stich gelassen hatten. Das sind die Menschen, die bezeugten: Er ist erschienen. Niemand wird durch einen Beweis überwältigt. Niemand muss dem menschlichen Zeugnis jener allzu menschlichen Freunde Jesu glauben. Und gleichzeitig gilt: Durch eben diese Zeugen und nur durch ihre Verkündigung will der Auferstandene Glauben wecken. Es gibt nur eine Möglichkeit, Ostern zu verstehen: sich mitnehmen lassen, erstaunt, verwundert, ungläubig, wie wir oft sind. Es gibt nur diese Möglichkeit, sich diesem Ereignis zu öffnen, dass er uns begegnen will. Dass er in unser Leben, in unser Handeln und Tun hinein auferstehen will.

Was bedeutet das? Trotz aller Schuld ist Versöhnung möglich. Trotz allem Krieg ist Frieden erfahrbar. Trotz allem Hass bringt  Liebe das Leben zum Ziel. Das alles ist nicht vergeblich. Aber es ist Gnade.

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Der Weg ans Kreuz
Peter Thom
Der Weg ans Kreuz

Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang; in den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich. Das ist gut so. Wir können diesen Weg nach­vollziehen. Was wir über unser eigenes Leben und Leiden den­ken, mag so in Beziehung geraten zu dem Leiden und Leben Jesu.

Prophetenworte zeigen: Der Menschensohn geht im Namen Gottes ans Kreuz. Hier beginnt keine neue Geschichte. Der Gott der Väter ist der Vater von Jesus. Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht weiter. Die Liebe Gottes hört nicht auf. Gott bleibt derselbe, auch im Sterben Jesu.

Für uns ändert sich dadurch ei­ne Menge in unserer Einstellung zum Leben. Nur das aktive, er­folgreiche, sichtbar mit Wohl­stand gesegnete Leben erscheint uns erstrebens- und le­benswert. Krankheit, Behinde­rung, Arbeitslosigkeit und beruf­liches Versagen stempeln das Le­ben als „lebensunwert" ab. Eine unheilbare Krankheit oder quä­lende Schmerzen verletzen die Menschenwürde. Einem solchen Leben den selbstgewählten Tod vorzuziehen, scheint für manchen Zeitgenossen berechtigter Aus­druck menschlicher Freiheit zu sein.

Jesus geht seinen Weg ans Kreuz. Und geht ihn zu Ende, da­mit wir verstehen: Vor Gott gibt es kein „lebensunwertes" Leben. Kein Leben ist so wertlos, dass es nicht doch von Gott angenommen wäre.

Jesus geht seinen Leidensweg, damit wir lernen: Schmerzen und Leiden tun der Menschenwürde keinen Abbruch. Es ist dem Men­schen durchaus würdig, Krank­heit und Schwäche zu erleiden. Einen natürlichen Tod zu sterben, liegt in der Natur des Menschen. Eine künstliche Ver­längerung des Lebens tastet die Menschenwürde genauso an wie seine künstliche Verkürzung.

Jesus hat das Leiden ausgehal­ten: Das Urteil über seine Men­schenwürde hat er Gott überlas­sen. Und der hat sein österliches Ja gesprochen. Seitdem hat sich für uns eine Menge verändert. Über unsere Menschenwürde ist entschieden: Nichts kann uns scheiden von der Liebe. Gottes, nichts! Unsere Menschenwürde kann nicht verloren gehen. Neh­men wir Gottes Urteil an.

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"Jetzt weiß er nicht mehr weiter...…
Peter Thom
"Jetzt weiß er nicht mehr weiter..."

„Jetzt weiß er nicht mehr weiter...“

Es war in einem Gottesdienst. Der Pastor hatte die Gemeinde zum Gebet aufgefordert: „Laßt uns in der Stille vor Gott bringen, was uns heute bewegt.“ Tatsächlich wurde es ganz leise in der Kirche. Alles schwieg. Nur eine Frau kam nicht zur Ruhe. „Jetzt weiß er nicht mehr weiter,“ flüsterte sie immer wieder. „Jetzt hat er seinen Text vergessen!“ Es war ihr anzumerken, daß sie über den vermeintlichen Blackout des Pastors sehr erschrocken war. Aufatmen konnte sie erst wieder, als der Pastor das Gebet fortsetzte. Man spürte, wie erleichtert sie war, daß wieder jemand redete.

Wahrscheinlich geht es vielen Menschen so, daß sie Stille nicht gut aushalten können; Schweigen kann unerträglich sein. Dann ist es doch besser, „vom Wetter zu reden“. Oder einfach eine der vielen Maschinen anzustellen, die irgendwelchen Krach produzieren.

Wenn es still wird, fehlt uns etwas. Zur Ruhe kommen ist ungewohnt. Sind wir doch  immer aktiv, immer in Bewegung, immer von Geräuschen umgeben. Es gibt stets etwas zu tun, bei der Arbeit oder in der Freizeit. Mancher müßte sich geradezu zwingen, stille zu sitzen.

Zur Ruhe kommen zu können, tut gut. Denn wo ich ruhig werde, kann ich auch zu mir selber kommen. In der Stille steigen Gedanken auf, die ich schon lange nicht mehr gedacht habe. Erinnerungen melden sich zu Wort und sie sind wichtig. Gefühltes, Erlebtes ist wieder da und kriegt sein Recht. In der Stille kann ich das alles zulassen, was im Alltag von viel Lärm und Betriebsamkeit zugeschüttet wird.

Keine Frage: Wer zu sich selber kommt, bekommt es auch mit Gott zu tun. In der Stille höre ich Gottes Antwort auf manche schon lange gestellte Frage.

Sicher kostet es Mühe, sich beharrlich ein Stück Stille zu reservieren, zu Hause oder in einer zur Besinnung einladenden Kirche.

Ein weiser Mann hat gesagt: „Sprache ist das Organ dieser Welt. Schweigen das Geheimnis der Künftigen.“ Schön! Darüber müßte man einmal in aller Ruhe nachdenken.

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Peter Thom

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Mo. 23.06.14
Der Geist des Fußballs
Peter Thom
Der Geist des Fußballs

Wenn die schönste Nebensache der Welt zur Hauptsache wird, dann ist Fußball-WM. Die Stimmung ist großartig: Jubelnde Menschen überall in der Welt! So viel gute Laune und ausgelassene Stimmung! So viele wunderbare Tore und spackende Begegnungen auf dem grünen Rasen!Ein Volltreffer für die Völkerverständigung. Was die Menschen jubelnd eint, ist unschwer zu erkennen: Fußballfieber. Der Geist des Fußballs lässt die Menschen wieder friedlich und fröhlich in den Stadien und auf den Straßen feiern. Man muss nicht Fußbalfan sein, um sich mit den Fröhlichen zu freuen.

Im Hintergrund geht das politische Tagesgeschehen weiter. Und die Welt nimmt ihren Lauf; Krieg und Terror werden vom euphorischen Jubel der Fußballbegeisterten vorläufig zur Seite geschoben. Aber wie lange?

Der Geist des Fußballs kann die Fans eine Weile wohl vereinen. Aber was kommt nach der WM? In welchem Geist können die Menschen aller Völker, Kulturen und Religionen fair, friedlich und fröhlich zusammenbleiben? Und zwar nicht wegen der „schönsten Nebensache der Welt“, sondern in der Hauptsache, im Zusammenleben der Menschen?

Die Erfahrung der Glaubenden ist: Die Liebe ist das Größte überhaupt. Ihre Fans zeigen als Glaubende Flagge und schmücken sich mit den Farben der Hoffnung. Im Geiste Gottes hat fair-geben und fair-handeln eine Chance auch über die WM hinaus. Der Geist der Liebe verbindet Menschen, die so verschieden sind.

Aber sind es nicht die Religionen, die trennen? Nein! Im Namen dessen, der am Kreuz starb und auferstand, nicht der Glaube trennt, sondern diejenigen, die Interesse daran haben, ihn als Trennendes zu benutzen. Gott aber ist einer! Er verbindet alles miteinander. Und er ist Liebe.

 

 

 

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Di. 22.04.14
Dem guten Hirten folgen
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Dem guten Hirten folgen

Mit 14 Jahren erwachsen? Was die Religion betrifft, so ist das in unserer Gesellschaft rechtens. Mit 14 ist man religionsmündig. Bei der Konfirmation übernehmen die jungen Menschen für ihren Glauben selbst die Verantwortung.

Aber wie sollen sich die Konfirmanden entscheiden? Das Angebot auf dem Markt für Sinnstiftung und -deutung wächst enorm. Antworten, die Halt und Orientierung versprechen, kann man überall bekommen. Worauf kann man sich einlassen? Auf wen sollen die Konfirmanden hören?

Ein Reisender – so wird erzählt -  traf in Palästina an einer Wasserstelle auf drei Hirten, die ihre Tiere nicht nach Herden getrennt, sondern gemeinsam tränkten. Wie sollte da jeder Hirte seine eigenen Schafe wiederfinden?

Als sich die Tiere sattgetrunken hatten, nahm der eine Hirte seinen Stab und rief: „Men–ah!“ (folgt mir!). Sogleich schloss sich ihm seine Herde an. Dann rief der zweite Hirte, und das Gleiche geschah. Der Fremde fragte nun den letzten Hirten: „Würden deine Schafe auch mir folgen?“ Der Mann schüttelte den Kopf: „Versuch es!“ Da zog der Reisende den Mantel des Hirten an, band sich den Turban um, griff den Hirtenstab und rief: „Men–ah!“ Aber kein Tier folgte. „Nur wenn ein Tier krank ist“, lächelte der Hirte, „folgt es dem Nächstbesten.“

Darum geht es bei der Konfirmation: Nicht auf den Nächstbesten zu hören, vielleicht auf den mit den angenehmsten Versprechungen. Nicht dem nächstbesten, sondern dem guten Hirten folgen – das wär’s. Ich wünsche allen Konfirmanden, dass sie die Stimme Jesu kennengelernt haben. Er sagt:  „Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme und sie folgen mir.“

Peter Thom, Visselhövede

 

 

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Di. 01.04.14
Aushalten können
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Aushalten können

Aushalten können

Jetzt in den Tagen vor Karfreitag betrachte ich aufmerksam das Bild des Gekreuzigten auf dem Wittorfer Altar. Besonders eindrücklich sind die Frauen unter dem Kreuz dargestellt: Sie sind immer noch bei Jesus. Seine Jünger sind längst davon gelaufen, haben sich in Sicherheit gebracht. Sie, die Frauen sind geblieben. Sie erleben das grauenhafte Leiden, halten mit ihm aus. Er stirbt am Kreuz und sie bleiben ihm nahe. Ihre Anteilnahme ist stärker als alle Angst. Sie werden auch dabei sein, wenn er ins Grab gelegt wird. Und sie werden die ersten Osterzeugen sein.

Aushalten können, das ist die Stärke dieser Frauen. Sie können das Unrecht nicht aufhalten. Sie können am Leiden nichts ändern. Sie sind machtlos. Aber in dieser Ohnmacht haben sie die Kraft zu  bleiben.

Ich denke an die Angehörigen, denen es gelingt, mit einem Schwerkranken mitzuleiden und diesen Leidensweg gemeinsam zu ertragen. Ich denke an die Pflegekräfte in den Kliniken und Pflegeheimen, für die es zum Berufsalltag gehört, Leidenden nahe zu sein. Ich denke an die Ehrenamtlichen im Hospiz, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Sterbende zu begleiten. Wie viel Kraft gehört dazu!

Das kann nicht jeder. Das muss auch nicht jeder können. Aber wo Menschen es schaffen, anderen in ihrer schwersten Stunde nahe zu bleiben, da ist das ein großer Segen.

Als Vikar besuchte ich einen Patienten im Krankenhaus. Ich fand ihn abstoßend, geradezu widerlich. Ich erzählte meiner Mentorin davon. Sie riet mir: „Schau diesem Menschen ins Gesicht! Betrachte ihn so lange, bis du seine Schönheit entdeckt hast.“ Das ist es: Ich muss solange aushalten, bis ich im Angesicht des Leidenden den Menschen erkannt habe, den Gott liebt.

Pastor Peter Thom, Visselhövede

 

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Di. 25.03.14
Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans…
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Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang. In den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich.

Der Weg zum Kreuz

Die Passionszeit hat begonnen. Der Weg ans Kreuz ist lang. In den Sonntagen vor Ostern wird davon etwas deutlich. Das ist gut so. Wir können diesen Weg nach­vollziehen. Was wir über unser eigenes Leben und Leiden den­ken, mag so in Beziehung geraten zu dem Leiden und Leben Jesu.

Prophetenworte zeigen: Der Menschensohn geht im Namen Gottes ans Kreuz. Hier beginnt keine neue Geschichte. Der Gott der Väter ist der Vater von Jesus. Die Geschichte Gottes mit den Menschen geht weiter. Die Liebe Gottes hört nicht auf. Gott bleibt derselbe, auch im Sterben Jesu.

Für uns ändert sich dadurch ei­ne Menge in unserer Einstellung zum Leben. Nur das aktive, er­folgreiche, sichtbar mit Wohl­stand gesegnete Leben erscheint uns erstrebens- und le­benswert. Krankheit, Behinde­rung, Arbeitslosigkeit und beruf­liches Versagen stempeln das Le­ben als „lebensunwert" ab. Eine unheilbare Krankheit oder quä­lende Schmerzen verletzen die Menschenwürde. Einem solchen Leben den selbstgewählten Tod vorzuziehen, scheint für manchen Zeitgenossen berechtigter Aus­druck menschlicher Freiheit zu sein.

Jesus geht seinen Weg ans Kreuz. Und geht ihn zu Ende, da­mit wir verstehen: Vor Gott gibt es kein „lebensunwertes" Leben. Kein Leben ist so wertlos, dass es nicht doch von Gott angenommen wäre.

Jesus geht seinen Leidensweg, damit wir lernen: Schmerzen und Leiden tun der Menschenwürde keinen Abbruch. Es ist dem Men­schen durchaus würdig, Krank­heit und Schwäche zu erleiden. Einen natürlichen Tod zu sterben, liegt in der Natur des Menschen. Eine künstliche Ver­längerung des Lebens tastet die Menschenwürde genauso an wie seine künstliche Verkürzung.

Jesus hat das Leiden ausgehal­ten: Das Urteil über seine Men­schenwürde hat er Gott überlas­sen. Und der hat sein österliches Ja gesprochen. Seitdem hat sich für uns eine Menge verändert. Über unsere Menschenwürde ist entschieden: Nichts kann uns scheiden von der Liebe. Gottes, nichts! Unsere Menschenwürde kann nicht verloren gehen. Neh­men wir Gottes Urteil an.

Pastor Peter Thom

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Mi. 12.03.14
Warum lässt Gott das zu?
Peter Thom
Warum lässt Gott das zu?

Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Wenn alles glatt läuft, geht es mir gut. Ich bin zufrieden, wenn ich meine Ruhe habe. Ja, ich möchte in Frieden leben können.Aber manchmal kommt es faustdick: Eine Mutter stirbt bei einem  Verkehrsunfall. Warum? Der tüchtige Kollege geht am Alkohol zugrunde. Warum gerade er? Ein junger Mensch kämpft vergeblich gegen eine bösartige Krankheit. Warum dieses Leiden? Immer wieder diese Frage: Warum? Warum läßt Gott das zu? Was hat das für einen Sinn?

Aber gerade darauf weiß ich keine Antwort. Kann denn Leiden Sinn haben? Diese Frage macht mich unruhig, läßt mich nicht in Frieden. Und darum suche ich weiter nach Antworten. Alles Leiden wäre gewiss leichter zu ertragen, wenn man es erklären könnte. Ob es nicht viel-leicht doch etwas gibt, was bitteres Schicksal begreifbar macht? Ob es nicht doch eine Deutung gibt für den viel zu frühen Tod eines lieben Menschen? Ob nicht doch ein bisschen Sinn im Leiden steckt?

Nein, ich bleibe dabei: Leiden ist sinnlos. Und doch haben Menschen in schweren Zeiten Positives erlebt. Hinterher konnten sie sagen: „Ich sehe jetzt das Leben anders, aufmerksamer. Ich achte mehr auf das Wesentliche. Das ist für mich eine wichtige Erfahrung. Ich bin am Leiden gereift.“ Oder: „Ich hätte nie gedacht, dass ich die Kraft habe, meine Angehörigen zu pflegen. Aber ich habe es geschafft. Ich bin daran stark geworden. Ich möchte diese Erfahrung nicht missen.“

Das ist zwar keine Antwort auf die Frage nach dem „Warum?“. Aber es ist eine wichtige Erfahrung: „Durch Leiden lernen wir Geduld, durch Geduld kommt es zur Bewährung, durch Bewährung festigt sich die Hoffnung. Unsere Hoffnung aber wird uns nicht enttäuschen: Gottes Liebe hält uns fest.“

Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Ich brauche Ruhe und Frieden. Aber es läuft nicht immer alles glatt. Gerade dann ist es gut zu wissen: Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand.

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Di. 28.05.13
Das Himmelreich gleicht einer Perle (MT 13,…
Karin Klement
Das Himmelreich gleicht einer Perle (MT 13, 44 + 45)

Das Himmelreich gleicht einer Perle

 

MT 13, 44 + 45

Jesus vergleicht Gottes Himmelreich mit unserer Welt und erzählt, auf welche Weise auch in dieser Welt himmlische Kostbarkeiten zu finden sind. JESUS spricht:

Das Himmelreich gleicht einem SCHATZ, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und versteckte. Und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker.

Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte. Und als er eine kostbare PERLE fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Liebe Damen und liebe Herren in unserer Runde!

Mögen Sie auch gern so etwas Glitzerndes, Leuchtendes in Ihren Händen halten? Eine PERLE wie einen Schatz betrachten mit strahlenden Augen, in denen sich das Wunderbare, Kostbare, Edle widerspiegelt?

Jede PERLE ist einmalig. Sie schimmert perlmutt mit ihren zarten, rosa-weiß-gelb-bis-bäunlichen Farben in jenem Licht, das sich in ihr widerspiegelt. Sie ist rund oder leicht oval, sehr glatt und ebenmäßig. Leichter als ein Stein.

Jede echte PERLE, ob sie nun in einer Muschel natürlich entstanden ist oder gezüchtet wurde, ist einmalig. Mit winzigen Variationen und Eigenheiten. Sie ist kostbarer als Gold und Silber, und wo man sie verschenkt, drückt sich darin eine hohe Wertschätzung der beschenkten Person aus.

Sie ist Symbol der Liebe. Nicht umsonst tragen Bräute oftmals eine Perlenkette oder einen Perlenring, wenn sie zum Traualtar schreiten. Ein Geschenk, das sagt: „Du bist mir so wertvoll wie der allergrößte Schatz auf dieser Erde!“

Echte Perlen sind auch deshalb so teuer, weil sie sehr lange brauchen, um zu entstehen. Sie wachsen in einer Muschel heran. Nicht, weil es der Muschel gefällt, sondern vielmehr, weil beim Öffnen ihrer Schalen kleine Verunreinigungen mit dem Meereswasser in sie hineingespült werden. Ein Sandkörnchen vielleicht. Mit seinen harten Kanten könnte es das zarte Muschelfleisch im Inneren verletzen. Entzündungen hervorrufen. Die Muschel wehrt sich gegen den fremden Eindringling und bildet eine Art Schutzschicht um das Sandkörnchen, um es zu isolieren und größeren Schaden zu vermeiden.

In einem lange dauernden Wachstumsprozess bilden sich Schalen um Schalen um das Steinchen, werden gedreht und gewendet, sodass sie äußerlich fast genau rund wird. Das schmutzige Sandkörnchen, auf dem vielleicht Keime ruhten, wird abgeschottet vom inneren Muschelfleisch, sodass die Muschel gesund bleibt.

Das Wachsen der Perle ist anstrengend, kostet die Muschel viel Kraft. Aber es sorgt für ihren Lebensschutz. Es ist eine Überlebenshilfe, die in Zeiten größter Bedrohung dafür sorgt, dass Beeinträchtigungen überwundern werden, Leben und Wachstum möglich bleiben.

Kennen Sie das auch aus Ihrem eigenen Leben? Situationen, in denen Sie etwas Schlimmes erlebten oder Bedrängendes, das Ihnen wie ein schwerer Stein mitten auf dem Lebensweg das Vorankommen erschwerte?

Können Sie erinnern, wie sie mit diesem Schlimmen, Bedrängenden, Belastenden umgegangen sind? Das sich vielleicht gar nicht so einfach beiseiteschieben ließ. An dem Sie nicht vorbei kamen. Das einfach da liegenblieb, wo es Ihnen begegnet war, und es Ihnen so schwer machte, weiterzugehen.

Vielleicht mussten Sie sich mit dem Unangenehmen beschäftigen. Das Schlimme berühren, anfassen, darüber sprechen, es zur Kenntnis nehmen und gelten lassen.

Vielleicht konnten Sie auch erfahren: Je mehr Sie sich mit dem Schwierigen, Schmerzhaften, Unangenehmen beschäftigten – desto besser konnten Sie es „verpacken“. Z.B. in Worte einpacken, also eine Situation mit Worten deuten, besprechen, klären. Die bedrängende Situation besser verstehen und etwas Neues daraus lernen.

Vielleicht konnten Sie – wie die Muschel die harten Kanten des Sandkörnchens – das, was Sie verletzte, „ummanteln“, den Schmerz, das Verletzende abdämpfen. Den bohrenden Keim abschotten von Ihrer inneren, leicht verwundbaren Seele.

Aus Ihrer Erfahrung im Umgang mit schwierigen Situationen konnten Sie lernen, sich selbst zu schützen, die in Ihnen verborgenen Selbst-Heilungskräfte zu wecken.

Vielleicht hat Ihnen auch Ihr Glaube dazu verholfen. Ihr Vertrauen in GOTT und Christus – wirkt wie eine Schutzschicht vor den schlimmen Erfahrungen des Lebens; wie ein bergender Mantel, in den wir uns einhüllen können.

Ich bin sicher, jede und jeder von uns trägt solche PERLEN der Erfahrung in sich – kostbar für unser Leben; leuchtende, glänzende Siegeszeichen dafür, dass wir uns von schlimmen Ereignissen nicht unterkriegen ließen. GOTT selbst hat eine Überlebenshilfe in uns verankert, damit Beeinträchtigungen überwunden werden können und seelisches Wachstum möglich bleibt.

Das ist die eine Seite der Geschichte, die Jesus erzählt.

Zugleich vergleicht Jesus Gottes Himmelreich mit ebensolch einer PERLE. Und mit dem verborgenen SCHATZ IM ACKER.

PERLE und SCHATZ – Kostbarkeiten, die uns erfreuen, die unsere Augen zum Leuchten, unsere Herzen zum Glänzen bringen. Und genauso gilt dies auch für GOTTES HIMMELREICH AUF ERDEN. Es ist einmalig, unverwechselbar – und es wird uns geschenkt.

Das Himmelreich ist gewachsen aus dem Leiden und Schmerz, das der CHRISTUS auf sich nahm. SEIN KREUZ, das er nicht umgangen hat, nicht vermieden, nicht davor weggelaufen ist, sondern das er getragen und ertragen hat.

Er hat die schlimmen Erfahrungen von menschlicher Bosheit, die ihn ans Kreuz brachten, umgewandelt. ER hat aus seinem Schmerzensschrei einen Schrei der Befreiung gemacht. Einen Schrei der Freigabe für uns und alle Menschen – egal, wessen wir uns auch schuldig gemacht haben.

ER hat aus seinem Todeskampf einen Kampf für das Leben gemacht – für unser Leben und das Leben aller Geschöpfe Gottes. Darum wächst Gottes Himmelreich auf Erden – durch das, was CHRISTUS für uns und alle Welt getan hat.

Und es wächst weiter – mit jeder Erfahrung, die wir Menschen machen, die unsere Widerstandskraft herausfordert, die unsere inneren Heilungskräfte in Bewegung setzt. Und die wir mit unserem Glauben bewältigen.

Aus all den mit- und zwischenmenschlichen Schwierigkeiten, denen wir nicht aus dem Wege gehen können, die unvermeidlich sind, kann etwas Kostbares, Wunderbares entstehen. Wie ein hartnäckiges Sandkörnchen, das wir mit unserem Glauben ummanteln, mit unserem Vertrauen gegenüber Gott einhüllen. Bis daraus etwas Kostbares, Glänzendes entstanden ist.

Gewiss, das geschieht nicht sofort, sondern ist ein langer Entwicklungsprozess, der viel Kraft erfordert und manche Träne kostet. Aber danach zu suchen, lohnt sich allemal.

Lasst uns also weiter nach dem verborgenen Schatz im Acker buddeln; lasst uns die eine, wahre kostbare Perle unter den unzähligen Angeboten herausfinden – und Gottes Himmelreich auf Erden mit unserem Glauben weiter aufbauen, weiter wachsen lassen.

Und noch etwas:

Alle Schätze sind begrenzt, alle Perlen selten zu entdecken; aber Gottes Himmelreich ist unendlich, ohne Begrenzung. Sein HIMMEL steht offen für alle Seine Geschöpfe.

Für Menschen, die sich streiten, und für jene, die sich wieder vertragen. Für die, die anderen wehtun, und jene, die einander trösten und für einander einstehen. Sein HIMMEL wächst aus jeder zwischenmenschlichen Erfahrung, so belastend, schmerzvoll sie auch ist, und bringt letztlich uns und alle Welt zum Glänzen.

AMEN

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Passion - ein Fremdwort
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Passion - ein Fremdwort

Die Konfirmanden wußten nicht, was Passion bedeutet. Leiden ist halt ein Fremdwort. Von dem Weg Jesu ans Kreuz hatten sie noch nichts gehört. Wahrscheinlich geht es vielen Menschen so. Passion paßt nicht in unsere Zeit.

Dabei steckt der Kreuzweg Jesu voller Dramatik. Einer muß den eigenen Galgen tragen. Und wird ans Kreuz gehängt. Viele schauen sich das an, werden Zeuge, wie einer leidet und stirbt.

Menschen unter dem Kreuz. Die einen spotten, höhnen und lästern. Andere stehen teilnahmslos dabei und gaffen. Und manche weinen, klagen und wollen wissen: „Warum läßt Gott das zu?“ Der Gekreuzigte selbst stellt die entscheidende Frage: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

„Mein Gott, warum?“ Allerdings - diese Frage kennen wir. Wir wissen auch von dem Leid, das hinter diesen Fragen steht. Wir haben die Bilder der Hungernden, Vertriebenen und Gefolterten vor Augen. „Warum?“ Uns fallen die Verunglückten wieder ein, junge Leute, die beim Verkehrsunfall starben. „Warum?“ Wir müssen an die Menschen denken, die plötzlich erkrankten und bitter leiden mußten. „Warum? Warum trifft es mich? Und wenn es einen Gott gibt – warum hilft er nicht?“

Wir kennen diese Fragen. Aber wir kennen keine Antwort, nichts, was angesichts von Schuld und Verhängnis, Unglück und Leiden Sinn stiften würde. Das Leiden bleibt sinnlos. Das Kreuz steht dunkel und rätselhaft da.

Wir haben keine Antwort. Natürlich können wir auch den Fragen aus dem Weg gehen. „Das Leben muß weitergehen ...“ Man kann die Fragen verdrängen. Meldungen über Unglücke und Katastrophen bekommen etwas Alltägliches. Bilder von Krieg und Flucht sind beinahe normal. An den Anblick des Gekreuzigten kann man sich gewöhnen. Aber nicht an das eigene Leid; das Unglück, das uns selbst betrifft. Spätestens dann sind alle Fragen wieder da. „Warum?“ Und dann kann man nicht zur Tagesordnung übergehen und harmlos bunte Ostereier köpfen.

Wir haben keine Antwort. Es sei denn, wir lassen uns die Antwort von Ostern gefallen. Jesus lebt! Der sinnlos Leidende bleibt nicht gottverlassen. Das ist Gottes Antwort auf alle unsere Fragen. Das ist in aller Sinnlosigkeit der letzte Sinn: Gott bleibt auch im Tode Gott.

 

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